Hallo Ihr Lieben,
je mehr ich zum Thema Prostitution lese, desto mehr sticht mir die - meines Erachtens - nicht gerechtfertigte Geringschätzung des Berufs auf. Aber was sind die Ursachen dafür, dass so viele Leute die Branche, den Beruf nicht akzeptieren wollen / können?
Soweit ich das sehe, gibt es da drei zentrale Punkte:
1.) Religion: Sex ist böse. Geld ist böse. Prostitution ist böse im Quadrat.
2.) Konservative Weltsicht & Moralvorstellung: Hier würde mir die USA als Beispiel einfallen. Viele Konservative haben dort eine intensive Abneigung gegen alles, was von dem Ideal der bürgerlichen Familie abweicht und deren Status gefährden könnte (gerade weil diese für ALLE das IDEAL darstellt, auch wenn sie es nicht wissen). Viele sehen daher schon in Dingen wie Homosexualität oder Pornographie eine Bedrohung, von Prostitution ganz zu schweigen.
Besonders bei Frauen mit solch konservativen Weltbild könnte ich mir vorstellen, dass sie sich durch Pornographie oder Prostitution bedroht fühlen. Für sie kann - brutal gesprochen - Sex ein Machtmittel und eine Existenzberechtigung (in der Ehe) sein, dass durch erotische Angebote gefährdet wird.
3.) Der feministische Standpunkt (Gleichberechtigung): Wie im Modell Schweden wird grundsätzlich ausgeschlossen, dass Prostitution Dienstleistung sein könnte. Wahlweise argumentiert man, dass frau nur ihren Körper bzw. ihre Seele verkauft oder damit, dass Prostitution nur existiert, weil Männer Männer sind und Prostitution als Sicherung patriacharlischer Strukturen sehen.
Gegen 1.) kann man schwierig andiskutieren, da Religion dogmatisch ist. Bei 2.) funktioniert das schon eher, denn bislang ist keine seriöse Studie bekannt, die zeigen würde, dass alternative Lebensentwürfe die Gesellschaft schädigen würden bzw. gibt es keinerlei Belege dafür, dass die (sequentielle) Monogamie das Beziehungsideal darstellt, das es zu verteidigen gilt. Bei 3.) hilft ein Blick in die einschlägige Literatur, um so ziemlich alle Argumente zu entkräften (bleibt eigentlich nur die unsaubere Vermischung mit Zwangsprostitution...)
Meines Erachtens schlägt sich aber in allen drei Punkten ein ziemlicher Sexualpessimismus nieder. Könnte es nicht sein, dass die Basis aller Argumentationen eine tief verwurzelte Angst vor Sexualität ist? Männer, die Angst haben, "so etwas" mögen zu können, und Frauen, die Angst haben, dass es Geschlechtsgenossinen gibt, die diesen Beruf gerne ausüben (und sich der Frage stellen, ob sie selbst dieses Potential auch haben).
Eigentlich alle menschlichen Bedürfnisse werden als menschlich akzeptiert. Essen, Trinken, Schlafen, Kleiden, Wärme, Zuneigung... Niemand wird aufgrund seiner Ess- oder Schlafgewohnheiten diskriminiert. Warum ist das bei einem der elementarsten Bedürfnisse anders?
Was denkt Ihr dazu? Und wenn ich richtig liegen sollte: WOHER kommt diese Angst und Ablehnung?
Lassen sich die Argumente gegen Prostitution zusammenfassen?
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Jester
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