IMK fordert schärfere Kontrolle der Prostitution in DE

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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carmen_berlin
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IMK fordert schärfere Kontrolle der Prostitution in DE

Beitrag von carmen_berlin »

Auf der Innenministerkonferenz, die heute in Hamburg stattgefunden hat, wurde eine schärfere Regulierung und Kontrolle der Sexarbeit in Deutschland gefordert. Der pressetaugliche Leitspruch dazu war, es sei in Deutschland einfacher, eine Würtchen- oder Pommesbude zu eröffnen als ein Bordell. Entsprechende Aussagen fand ich sowohl von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), als auch von Hamburgs Innensenator Heino Vahldieck (CDU), der den Vorsitz bei der Konferenz innehatte. Die Presse hat das dankbar aufgenommen und brav gedruckt, z.B. hier http://www.noz.de/artikel/49195151/inne ... u-kampf-an und hier http://www.radiobremen.de/politik/nachr ... ht100.html. Generell waren sich die Herren Innensenatoren (gibt es da eigentlich auch Frauen bei denen?) einig, dass das ProstG, das 2002 inkraft getreten ist, überhaupt gar nichts gebracht hätte.

Ich glaube, das ist pure Demagogie und bevor hier in DE das Gemüt zu unseren Ungunsten umschlägt, würde ich das gerne öffentlich richtig stellen und wissen, welche Fakten ich bei einer Protestaktion in die Kamera sagen könnte... Könnt ihr mir helfen, entsprechende Quellen und Argumente zusammenzutragen? Ich weiß, weil ich davon oft gelesen habe, dass viele Bordelle mit fadenscheinigen Baurechtsargumenten verboten werden, z.B. weil sie in einer Sperrzone liegen oder sonstig unzulässig sind und ihre Betreiber durchaus mehr Problemen gegenüberstehen als Würstchenbudenbesitzer. Ich würde solche Aspekte gerne detailliert aufdröseln, damit es seine Schwammigkeit verliert. Kennt ihr Studien, die untersuchen, wie das ProstG in Deutschland die Arbeitsbedingungen verbessert oder verschlechtert hat? Ich empfinde es ja schon als enorme Verbesserung, dass die Tätigkeit der ich zum Broterwerb nachgehe, nicht illegal und kriminell ist. Ich meine, dass sich überhaupt erst und nur dann seriöse Arbeit entwickeln kann, wenn ich mich nicht aus Angst vor staatlicher Repression verstecken muß. Ich bin komplett geplättet von solchen innenministerlichen Aussagen und Androhungen. Denn ich möchte nicht zurück in die Steinzeit!

Mit welchen Worten würdet ihr euch gegen sowas wehren? Ich fänd es hilfreich, wenn wir gemeinsam einen Argumentationsleitfaden zusammenstellen könnten.

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Lycisca
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Beitrag von Lycisca »

Ich denke, wir könnten argumentieren, dass durch die überschießende Kontrolle schon jetzt die Menschenrechte der SW in D verletzt werden, wie vom Forum im Schattenbericht CESCR an die Vereinten Nationen dargelegt wurde. In einem Staat, der die Achtung der Menschenwürde als erstes Grundprinzip der Verfassung deklariert, ist dies ein beschämender Zustand, der nur schlechter werden kann, je mehr die Polizei die SW auf Drängen der Innenminister drangsaliert.

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Aoife
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RE: IMK fordert schärfere Kontrolle der Prostitution in DE

Beitrag von Aoife »

Ja gut - das ist sicherlich die richtige Argumentation für interessierte Nachfrager.

Als einen möglichen "pressetauglichen Leitspruch" könnte ich mir vorstellen, dass ein Würstelbudenbesitzer mit der Kompetenz eines deutschen Innenministers unweigerlich pleite gehen würde - die ganze Sache ist völlig realitätsfern ausgedacht.

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Lycisca
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Beitrag von Lycisca »

Vielleicht so: Würstelbudenbesitzer brauchen viele Genehmigungen, um zu verhindern, dass womöglich ein Innenminister eine Würstelbude übernimmt und zugrunde richtet, da ja bekanntlich dessen Kompetenz für sein Amt von niemandem jemals geprüft wurde.

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Marc of Frankfurt
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Gutachten

Beitrag von Marc of Frankfurt »

"Frauen in der Prostitution sind traditionell und auch gegenwärtig überkontrolliert und überbeschützt."

Lautet eine Antwort von Dona Carmen e.V. aus Frankfurt auf das Pseudo-Argument, dass man für eine Würstchenbratbude (Bierzelt) mehr Genehmigungen brauche als für Sexarbeitsplätze:

viewtopic.php?p=70079#70079





P.S.
Bei einem TV-Interview hast du nur die Chance auf 2-3 Sätze.

Wenn du mehr sagst entscheidet der Journalist welche Sätze genommen werden.

Also dampfe deine Aussage von dir aus schon auf diese wenigen Sätze ein und wiederhole sie entsprechend oft, bis das Bild im Kasten ist...



Viel Erfolg.

Checklisten:
PE www.sexworker.at/phpBB2/download.php?id=518
TV www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=943&start=32
Zuletzt geändert von Marc of Frankfurt am 20.11.2010, 16:11, insgesamt 4-mal geändert.

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Aoife
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Re: IMK fordert schärfere Kontrolle der Prostitution in DE

Beitrag von Aoife »

Ja, Marc, Dona Carmen's Antwort ist sicher gut, jedoch in dem hier erwünschten Zusammenhang:

          Bild
carmen_berlin hat geschrieben:Mit welchen Worten würdet ihr euch gegen sowas wehren? Ich fänd es hilfreich, wenn wir gemeinsam einen Argumentationsleitfaden zusammenstellen könnten.
viel zu kompliziert.

Als einfache und zutreffende Antwort wird hier von Nina die Aussage eine Österreichischen Politikers verlinkt, die die Zusammenhänge auf den Punkt bringt:

Staatsorgane wollen die Prostitution behindern, um Zuhälter zu fördern. Weil diese wiederum mit Bestechungsgeldern den Bediensteten eben dieser Staatsorgane dienlich sind.

Und dass Politiker schamlos lügen, wenn sie etwas erreichen wollen, bedarf ja wohl keiner weiteren Belege.

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carmen_berlin
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RE: IMK fordert schärfere Kontrolle der Prostitution in DE

Beitrag von carmen_berlin »

Doch, doch, die Hinweise auf die Stellungnahme von Dona Carmen e.V. und der Schattenbericht gehen schon genau in die richtige Richtung. Mir ist klar, dass man beim TV nicht viel Sprechzeit bekommt, aber "Only rights can stop the wrongs" ist schon mal ein schöner Leitspruch. Aber es gibt ja auch noch andere Presseorgane und sei es nur das eigene Weblog. Auch in der Diskussion mit Freunden und Bekannten möchte man natürlich möglichst überzeugende Argumente vorbringen, da es auch hilft, Sympathisanten zu mobilisieren. Ich finde, das hat eine unglaubliche Zugkraft, wenn man nicht nur sagen kann, was du da sagst, ist scheiße und du bist inkompetent, sondern wenn man sagen kann, was du da sagst, ist Mist und hier sind meine Beweise, z.B. Gesetz so und so, Gerichtsbeschluß so und so, Vorfall so und so und Pressebericht so und so. Aber von diesem So und So habe ich bisher kaum Ahnung, gerade die juristischen Aspekte sind mir noch völlig fremd.

Aber wenn ich mir die Stellungnahme vom Dona Carmen e.V. so anschaue, scheint die Würstchenbuden-Rhetorik und Forderung nach gewerblicher Registrierung schon länger ein Problem zu sein und es ist für euch vielleicht gar nicht so neu und überraschend, dass das jetzt auch auf der IMK zur Sprache kam? Ich arbeite die beiden Sache erst mal durch, braucht ja auch immer Zeit, sich solche Kompetenzen anzueigenen.

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Beitrag von ehemaliger_User »

Wollen wir denn tatsächlich, dass ein wegen Zuhälterei vorbestrafter Mann nach Verbüssung seiner Haftstrafe sofort ein Bordell eröffnen kann?

Der Vergleich mit einer Würstchenbude ist allerdings total daneben, damit wird der Blick vom Bordellwirt hin zur einzelnen SexdienstleisterIn gerichtet. Für die Selbständigen SexdienstleisterInnen braucht es weder Genehmigungen noch Registrierung, es braucht vernünftige Fort- und Ausbildungsmöglichkeiten. Und Schutz vor Ausbeutung.

Warum soll ein Bordell KEINE Genehmigung brauchen? Unter Bordell verstehe ich einen Betrieb, in dem der Inhaber nicht der Sexabeit nachgeht oder der Betreiber / die Betreiberin den Grossteil ihres Gewinns nicht durch eigene Sexarbeit verdienen (was das genau ist müsste definiert werden).

Warum wehren sich SexdienstleisterInnen vehement gegen vernünftige Regelungen incl, Arbeitsschutz, Mindestanforderungen an Bordelle etc?

Wenn die Gewerbeaufsich unseren Betrieb (Maschinenbau)inspiziert geht das nicht gegen die Mitarbeiter, sondern es geht darum, ob die Regelungen zum Schutze der Mitarbeiter und anderer Menschen / Umwelt eingehalten werden.

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Bitte nicht von Würstchenbudenbesitzer reden wenn ihr die Fleischfabrikanten meint.
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Aoife
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Beitrag von Aoife »

          Bild
ehemaliger_User hat geschrieben:Warum wehren sich SexdienstleisterInnen vehement gegen vernünftige Regelungen incl, Arbeitsschutz, Mindestanforderungen an Bordelle etc?
Weil niemand diese vernünftigen Ziele anstrebt. Diese sind nur vorgeschoben, um prostitutionsfeindliche Gesetze durchzubringen. Tatsächlich geht es um nur um dieses.

Mit anderen Worten: Weil wir diesen Politikern nicht vertrauen! - und das aus gutem Grund. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass ausgerechnet diejenigen Politiker, die Verschärfung fordern, jetzt auf einmal ihr Herz für uns entdeckt haben?

Zumindest ich sehe da ausgeprägte Parallelen zur Zwangsuntersuchung und Zwangsregistrierung - auch die soll ja angeblich unserem Schutz dienen, mit katastrophalem Ergebnis.

Möglicherweise sind wir ja gerade deshalb in unserem Job, weil wir ein zu unserem Schutz errichtetes Gefängnis aus Regulierungen nicht wollen - ansonsten wären wir vielleicht lieber in der metallverarbeitenden Industrie :002

All jenen, die noch an einen möglichen Nutzen von "Verschärfungen" glauben, möchte ich Watzlawick's Buch "Vom Schlechten des Guten oder Hekates Lösungen" empfehlen :001

Liebe Grüße, Aoife
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rainman
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Beitrag von rainman »

1. Eine SW, die Steuern zahlt, hat wie alle anderen SteuerzahlerInnen einen Anspruch auf bestmöglichen gesetzlichen Schutz.

2. Auf Grund der Tatsache, dass die gesellschaftlich wichtige Institution der Ehe nach Auffassung moraltragender Gruppen erst mit dem Geschlechtsakt wirklich vollzogen ist, wird es immer Reibereien zwischen diesen und der kommerziellen Sexarbeit geben. Hier hilft die Argumentation, dass eine SW eben wegen des geschäftlichen Charakters ihrer Dienstleistung die Allerletzte ist, die einer Ehefrau gefährlich werden könnte.

3. Dass die Inanspruchnahme einer sexuellen Dienstleistung von Kundenseite in aller Regel freiwillig erfolgt, bestreitet hoffentlich niemand. Es liegt aber auch im Interesse der SDL, ihrem Broterwerb stets ohne Zwang nachgehen zu können. Um sich gegen mögliche Übergriffe jederzeit zur Wehr setzen zu können,
ist eine entsprechende gesetzliche Grundlage unbedingt vonnöten.

Liebe carmen_berlin, ich hoffe, Dir hiermit Argumentationshilfen genannt zu haben, die m.E. am publikumswirksamsten sind. Solltest Du in diesem Problemfeld tiefer gehen wollen, so empfehle ich Dir das eine oder andere wissenschaftliche Buch, z.B. von Dücker, E. u.a., Sexarbeit - eine Welt für sich, Hamburg 2008 (ISBN: 978-3-936252-17-0) oder: Domentat, T., Lass dich verwöhnen, Berlin 2004 (ISBN: 3-7466-7046-2). Die ISBN-Nr. des oben von Aoife genannten hervorragenden Buches von Paul Watzlawick erlaube ich mich hier noch nachzutragen: 3-492-03085-8.

Liebe Grüße

rainman

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Beitrag von rainman »

Entschuldigung: es muss in meinem o.g. letzten Satz natürlich "mir" heißen. Das kommt davon, wenn man nicht richtig Korrektur liest.

LG rainman

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Beitrag von ehemaliger_User »

Aoife hat geschrieben:     Mit anderen Worten: Weil wir diesen Politikern nicht vertrauen! - und das aus gutem Grund. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass ausgerechnet diejenigen Politiker, die Verschärfung fordern, jetzt auf einmal ihr Herz für uns entdeckt haben?
Hab ich kapiert. Wenn solche Forderungen aus dem Lager der Prostitutionsgegner kommen hast Du absolut Recht.

Wer soll dann die Bordellbetreiber dazu bringen, menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen???
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Aoife
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Beitrag von Aoife »

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ehemaliger_User hat geschrieben:Wer soll dann die Bordellbetreiber dazu bringen, menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen???
Das ist allerdings eine gute Frage ...

Jedoch möchte ich zu bedenken geben, dass
1. die Ziele der IMK nicht der Verbesserung der Arbeitsbedingungen dienen, sondern neben der offiziellen Steuer- und Abgabenbelastung noch zusätzlich inoffizielle Geldflüsse schaffen, die zu Lasten der LeisungserbringerInnen gehen.
2. menschenunwürdige Verhältnisse sich keineswegs auf Bordelle beschränken, oder auch nur dort konzentrieren. Letztlich betreffen die Nachteile der Globalisierung und der Privatisierung der Gewinne bei sozialisierten Verlusten alle, die für ihr Geld arbeiten müssen. Bei einer Rechtsprechung, die es als ausbeuterische Zuhälterei ansieht, wenn weniger als 50% an die Leistungserbringer ausgezahlt werden, stellen Bordelle keineswegs ein Musterbeispiel für menschenunwürdige Verhältnisse dar - im Gegenteil.

Entsprechend der Regel "don't fix it, if it ain't broken" halte ich jeden Versuch am deutschen Prostitutionsgesetz herumzubasteln für derzeit kontraproduktiv. Zunächst brauchen wir eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage und des Lebensstandarts auch in den Gebieten der Osterweiterung, bevor echte Auswirkungen des ProstG überhaupt sichtbar werden können. Für die tatsächlichen Probleme das angeblich zu wenig regulierende ProstG verantwortlich zu machen ist entweder dumm oder hinterhältig. Und zumindest für sooo dumm halte ich die deutschen Innenminister bisher nicht ...

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nina777
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Beitrag von nina777 »

20.11.2010

INNENMINISTERKONFERENZ

Mäurer fordert strengere Regulierung der Prostitution


Hamburg/Bremen. Mit der Verabschiedung des Prostitutionsgesetzes am 20. Dezember 2001 hat der Deutsche Bundestag den Weg zur Anerkennung der Prostitution als Gewerbe geebnet. Dennoch sehen sich Behörden und Strafverfolger im Alltag mit einer Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert. Auf Initiative von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hatte sich die jüngst in Hamburg stattfindende Innenministerkonferenz (IMK) daher mit dem Problem Prostitution und Menschhandel befasst. Die Innenminister von Bund und Ländern planen weitreichende Beschränkungen.


Laut Beschluss der Runde soll auf eine weitreichende Änderung des Prostitutionsgesetzes hingewirkt werden. Die IMK sieht nach eigenem Bekunden Handlungsbedarf „hinsichtlich der Einführung von Erlaubnispflichten für alle Formen von Prostitutionsstätten sowie die Vermittlung von Prostitutionsdienstleistungen.

IMK will Regelung für Zugang zu Bordellbetrieben

Zudem fordern die Innenminister eine Anzeigepflicht der Prostitutionstätigkeit in Prostitutionsstätten, eine Möglichkeiten zur Schaffung von Abgrenzungskriterien zwischen einem Beschäftigungsverhältnis und Zwangsprostitution und die Einführung bundeseinheitlicher Zugangs- und Kontrollmöglichkeiten für Bordelle, Partytreffs und Bordellwohnungen. Auch die Werbung für Prostitution soll nach dem Willen der Innenminister reguliert und ein flächendeckendes Angebot mit Ausstiegshilfen für Prostituierte geschaffen werden.

„Die IMK hat unsere wesentlichen Forderungen aufgegriffen, damit ist ein wichtiger Schritt zur Behebung der eklatanten Probleme im Bereich Prostitution und Menschenhandel getan und endlich Bewegung in dieses seit Jahren ungeklärte Thema gekommen“, so Mäurer nach Abschluss der Konferenz am Freitag.

http://weser-ems.business-on.de/problem ... 15756.html
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Beitrag von ehemaliger_User »

Laut Beschluss der Runde soll auf eine weitreichende Änderung des Prostitutionsgesetzes hingewirkt werden. Die IMK sieht nach eigenem Bekunden Handlungsbedarf "hinsichtlich der Einführung von Erlaubnispflichten für alle Formen von Prostitutionsstätten sowie die Vermittlung von Prostitutionsdienstleistungen."
Was hat das mit dem ProstG zu tun? Das ist doch Thema der Gewerbeordnung.
IMK will Regelung für Zugang zu Bordellbetrieben

... Anzeigepflicht der Prostitutionstätigkeit in Prostitutionsstätten, eine Möglichkeiten zur Schaffung von Abgrenzungskriterien zwischen einem Beschäftigungsverhältnis und Zwangsprostitution und die Einführung bundeseinheitlicher Zugangs- und Kontrollmöglichkeiten für Bordelle, Partytreffs und Bordellwohnungen. Auch die Werbung für Prostitution soll nach dem Willen der Innenminister reguliert und ein flächendeckendes Angebot mit Ausstiegshilfen für Prostituierte geschaffen werden.
Das geht entschieden zu weit, unter diesen konkreten Gesichtspunkten ist der Vergleich mit Genehmigungen für Imbissbuden geradezu Volksverdummung. Kein Wort zu weiteren Verbesserungen z.B. Aufbau von Berufsgenossenschaften, Altersvorsorge (ähnlich Künstlersozialkasse) etc.

Wie sollen Abgrenzungskriterien zwischen Beschäftigungsverhältnis und Zwangsprostitution aussehen? Es gibt doch heute schon genug Regelungen zu diesem Thema im Strafgesetzbuch. Das Einzige was zu mehr Rechtssicherheit beitragen könnte wäre die Prostitutionstätigkeit grundsätzlich als Tätigkeit von Freiberuflern einzustufen. Dazu braucht es keine Gesetzesänderungen, das ist alles in Verordnungen geregelt.

Ich kann Aoifes Punkte voll und ganz unterstreichen.

Habe allerdings noch eine Frage dazu.
Ich kann aus mehreren Beiträgen herauslesen dass die Grenze der Honorateilung, ab der grundsätzlich Zuhälterei vorliegt, nicht gewünscht ist. Gründe dafür?

Ich sehe die lediglich als Eingriff in die Vertragsfreiheit. Krasses Missverhältnis zwischen Leistung und Bezahlung ist doch Wucher?

Ich selbst halte den Straftatbestand "Zuhälterei" für überflüssig und kontraproduktiv, die anderen Bestimmungen des Strafgesetzbuches wären ausreichend, um Ausbeuter etc. zu belangen. Warum sollte es keinen Dienstleister geben, der den SexarbeiterInnen den Rücken frei hält, ihre steuerlichen, buchhalterischen etc. Belange gegen angemessene Bezahlung regelt? Und genauso im Wettbewerb wie alle anderen Dienstleister steht.

Je mehr ich darüber nachdenke umso mehr drängt sich mir der auch hier mehrmals geäusserte Verdacht auf, dass "Rotlicht" nicht normales Geschäft werden kann weil staatliche Entscheidungsträger davon direkt profitieren...
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Beitrag von Aoife »

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ehemaliger_User hat geschrieben:Ich kann aus mehreren Beiträgen herauslesen dass die Grenze der Honorateilung, ab der grundsätzlich Zuhälterei vorliegt, nicht gewünscht ist. Gründe dafür?
Danke für die Rückfrage, ehemaliger_User.

Tatsächlich gibt es ja Argumente, diese Grenze als Investitionsbremse hinzustellen.

Mir ging es aber nicht um solche wirtschaftlichen Hintergründe, ich habe das Argument eher umgekehrt gemeint:

Wenn nun einmal faktisch in der Prostitution die 50% als Grenze zur Ausbeutung gesehen werden, und in anderen höchstpersönlichen Dienstleistungsbereichen, etwa bei ärztlicher Tätigkeit, ein Arbeitgeber unbehelligt bleibt, wenn er nur einen Bruchteil davon ausbezahlt, wie kann man dann ausgerechnet die Prostitution immer wieder als Paradebeispiel für verbesserungsbedürftige Arbeitsbedingungen anführen?

Auch das ist IMHO Volksverdummung.

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Marc of Frankfurt
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Beitrag von Marc of Frankfurt »

Wie sind denn typische Gewerbekennzahlen diesbezüglich in anderen Berufen?

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Beitrag von Aoife »

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Marc of Frankfurt hat geschrieben:Wie sind denn typische Gewerbekennzahlen diesbezüglich in anderen Berufen?
Keine Ahnung - ich selbst bekomme im soliden Job 15 bis 20% der für meine Leistung abgerechneten Beträge ausgezahlt, mit ein Grund dafür, warum ich in die Prostitution gewechselt bin um meine Familie einigermaßen versorgen zu können, nachdem ich aus gesundheitlichen Gründen keine 60 Wochenarbeitsstunden mehr erbringen kann.

Was also durchaus auch etwas positives hat ...

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carmen_berlin
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RE: IMK fordert schärfere Kontrolle der Prostitution in DE

Beitrag von carmen_berlin »

Viel Dank für eure Beiträge. Zwei Punkte, die hier genannt wurden, finde ich ganz besonders bemerkenswert. 1. Dass eine Sexdienstleisterin sich nicht angemessen gegen Ausbeutung, Gewalt, Unterdrückung, etc. zur Wehr setzen kann, wenn ihre Arbeit illegal ist. Darüber habe ich auch schon in meinem Blog nahgedacht, nur die IMK fordert ja nicht das Verbot von Prostitution, sondern "nur" Reglementierung (als gäbe es nicht schon genug Zwang in der Branche). 2. Dass das Verhältnis von Prostituierten zu Bordellbesitzern nicht immer rosig ist, z.B. dass der Bordellbesitzer 50% des Preises abkriegt, obwohl die Prostituierte die Arbeit macht - das ist in anderen Branchen nicht anders. Die Ausbeutung von Arbeitnehmern ist ja ein Prinzip, das durch die freie Marktwirtschaft befördert wird. Das ist quasi ein Naturgesetz des Arbeitnehmens, dass man sich wie blöde abplackt, vom Chef gedehmütigt wird, keine Zeit für Freizeit hat und trotzdem von seinem Verdienst nicht leben kann. Auch ich bin in die Prostitution gegangen, weil ich hier als Selbstständige solchen Bullshit nicht mitmachen muß. Das ist aber wiederum kein Argument gegen gewerbliche Regulierung, sondern generell eines für mehr Akzeptanz der Sexarbeit.

Das Problem an solchem Regulierungsgesinnen ist doch, dass es immer von Negativbeispielen ausgeht. Es spricht von Menschenhandel, von Drogenkonsum, von Ausbeutung und bezieht sich damit auf Strukturen, die sich in einer Zeit etabliert haben, als Prostitution illegal war. Damals brauchte es den Zuhälter vielleicht noch. Aber es gibt ja auch Positivbeispiele, Strukturen, die sich erst entwickeln konnten, seit Prostitution legal ist. Eben z.B. unabhängige SDL, die offen mit dem Thema umgehen, weil sie freiwillig und mit Spaß an der Sache arbeiten, die seriöse Dienstleistungen anbieten, die viel freier von Ausbeutung sind, als es Angestelltenverhältnisse in anderen Branchen je sein könnten. Diese Aspekte werden aber ausgeblendet, und zwar weil es eigentlich eben auch um etwas ganz anderes geht, nämlich moralische Skrupel. Illegale Strukturen lösen sich ja nicht auf, weil man ihnen etwas verbietet. Die sind ja sowieso schon illegal und haben nichts mehr zu verlieren. Insofern wäre es rational betrachtet sinnvoller, die positiven Strukturen zu stützen - damit SDLs, die in einer schlechten Situation arbeiten, ein anderer Weg aufgezeigt wird. Es ist also an sich nicht bescheuert, dass Sexarbeit reguliert werden soll, sondern nur wie sie reguliert werden soll, ist dumm, weil nicht hilfreich. Es wird nicht bedacht, dass Prostitution unabhängig von Ausbeutung und Zwang funktionieren kann, sondern das wird immer als ein Packet angenommen, als bedingte das eine das andere. Aber das ist ja so nicht, wie wir an uns selbst sehen. Dieser Punkt müßte irgendwie knackig verpackt werden.

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Arum
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Re: RE: IMK fordert schärfere Kontrolle der Prostitution in

Beitrag von Arum »

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carmen_berlin hat geschrieben: Es wird nicht bedacht, dass Prostitution unabhängig von Ausbeutung und Zwang funktionieren kann, sondern das wird immer als ein Packet angenommen, als bedingte das eine das andere.
Das geschieht aber auch gerade, weil man die von Dir zurecht geschilderte allgemein-gesellschaftliche Struktur ausblenden will, dadurch dass man sich auf die Prostitution konzentriert.
Guten Abend, schöne Unbekannte!

Joachim Ringelnatz