Einmal Freier, immer Freier

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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annainga
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Einmal Freier, immer Freier

Beitrag von annainga »

diese (in meinen augen provokante) aussage wollte ich als pendant zum thema "Einmal Hure, immer Hure" (im geschlossenen bereich) setzen.

aus der sexarbeit auszusteigen ist schwer. wobei schon die formulierung "ausstieg" etwas negatives beinhaltet.

genau wie "einmal freier, immer freier". das beinhaltet doch eine gewisse abhängigkeit .....

liebe grüße von annainga

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Boris
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Beitrag von Boris »

"Einmal Freier, immer Freier"

Nein, das sehe ich nichts so. Es ist ein pauschaliertes Vorurteil in unserer Gesellschaft mit dem Ziel Freier zu ächten.

Genauso sehe ich es übrigens bei der Behauptung "Einmal Hure, immer Hure".
Es ist das Selbstbestimmungsrecht des einzelnen Menschen, Hure oder Freier zu sein. Und genauso hören sie damit auch auf, wenn sie es wollen und ihr Umfeld ihnen dazu die Möglichkeit gibt oder sich diese Möglichkeit ergibt.

Ich könnte (kann es aber eben nicht beweisen) mir vorstellen, auch mit den Besuchen bei Prostituierten aufzuhören.
Liebe ist eine tolle Krankheit - da müssen immer gleich zwei ins Bett.
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HaDe
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Re: Einmal Freier, immer Freier

Beitrag von HaDe »

annainga hat geschrieben:diese (in meinen augen provokante) aussage wollte ich als pendant zum thema "Einmal Hure, immer Hure" (im geschlossenen bereich) setzen.

aus der sexarbeit auszusteigen ist schwer. wobei schon die formulierung "ausstieg" etwas negatives beinhaltet.

genau wie "einmal freier, immer freier". das beinhaltet doch eine gewisse abhängigkeit .....

liebe grüße von annainga
Hoi Annainga,

Das macht für mich nicht wirklich Sinn. Auch nicht das "immer Hure". Wenn "Hure" die Berufsbezeichnung ist, dann ist sie "Hure" genau so lang, wie sie der Tätigkeit nachgeht. "Freier" ist dagegen nicht mal Berufsbezeichnung, sondern heisst nur "Kunde".

Es sagt ja auch niemand "Einmal Elektronikhändler, immer Elektronikhändler - einmal Fernseherkäufer, immer Fernseherkäufer"

Andreas

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JayR
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Beitrag von JayR »

”Einmal Freier, immer Freier”

Ich geh’ mal auf die Provokation ein.
Wie HaDe so richtig schreibt, ist Freier keine Berufsbezeichnung. Und wie Boris so richtig schreibt „ist es das Selbstbestimmungsrecht des einzelnen Menschen, Hure oder Freier zu sein. Und genauso hören sie damit auch auf, wenn sie es wollen.“

aber… wie kommt es denn, dass Damen ganz glücklich öffentlich ihren Ausstieg aus der Prostitution erklären, sogar Bücher darüber schreiben, um dann ein halbes Jahr oder drei Jahre später wieder eine Escort hp zusammen zu basteln oder ihre Tätigkeit als „normale“ Masseurin wieder in Intimmasseuse verwandeln?

Oder wie kommt es, dass das gesamte Denken und Handeln einer Dame nach vielen Jahren in der Prostitution völlig davon geprägt ist? Mit an Verfolgungswahn grenzendem Misstrauen und Vorsichtigkeit, ein Berufsschaden. Der Fähigkeit, Männer innerhalb von weniger Sekunden recht präcise einschätzen zu können, ein Berufsgewinn.

Inzwischen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es ein Sexworker-mindset gibt, das man nicht so einfach abstreift.

Insofern ist etwas an „Einmal Hure, immer Hure“. Jedenfalls wenn man lange genug dabei war.
Was nicht bedeutet, dass ein Berufswechsel nicht möglich ist.
Ausstieg sehe ich auch als einen negativen Begriff.

Über meine Freierkollegen, weiss ich eigentlich recht wenig.
Habe aber gelesen, dass es Männer gibt, die so von Kaufsex abhängig sind, dass sie ihre Ökonomie ruinieren. Wie Spielsüchtige.

Zu mir selber… habe mit 23 angefangen. Meist nur wenige Male im Jahr. Zum Teil auch mit mehreren Jahren Pause. Dass ich das Milieu seit 1 1/2 Jahren ein wenig systematischer untersucht habe, hat natürlich zu häufigeren Besuchen geführt.
„Einmal Freier, immer Freier“ halte ich in meinem Fall für zutreffend. Es sind ja nicht nur ein paar gelegentliche Besuche bei Damen. Ich kann es ja nicht mal bleiben lassen, mich mit dem gesamten Thema Prostitution zu beschäftigen. Es fasziniert mich einfach. (Könnte natürlich auch Briefmarken sammeln, Brieftauben züchten oder TV glotzen… aber gäääähn) Sex ist einfach interessanter.
Auf meine anderen Hobbys möchte ich hier nicht eingehen.

Für mich gibt es auch ein Freier-mindset. (Freier im weitesten Sinn). Sind Damen attraktiv, accessible, mit welchem Aufwand, einen Blick für Sexarbeiter (manchmal genügt ein Blick um ein workinggirl in ‚civil’ zu erkennen, beruht auf Gegenseitigkeit)

Es scheint so zu sein, dass Sex einfach so interessant ist, dass diejenigen, die nicht nur davon fantasieren, es einfach nicht sein lassen können. Egal, ob es in Form von kommerziellem Sex ist, im Swingerklub oder in der SM-Szene.

HaDe
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Beitrag von HaDe »

JayR hat geschrieben:aber… wie kommt es denn, dass Damen ganz glücklich öffentlich ihren Ausstieg aus der Prostitution erklären, sogar Bücher darüber schreiben, um dann ein halbes Jahr oder drei Jahre später wieder eine Escort hp zusammen zu basteln oder ihre Tätigkeit als „normale“ Masseurin wieder in Intimmasseuse verwandeln?
Ich spekuliere da einfach mal: Frauen, die in die Position kommen öffentlich ihren Ausstieg zu erklären oder gar Bücher zu verfassen sind wahrscheinlich am ehesten jene, die auch im Job als Hure relativ erfolgreich oder bekannt waren. Damit ein Verlag die Geschichte einer Frau verlegt, die einfach den Job gemacht hat um über die Runden zu kommen, muss sie schon eine sehr leidvolle Geschichte hinter sich haben. Und auch die prominente Aussteigerin muss aber von was leben. Und wenn sie draufkommt, dass andere Jobs nicht soo lukrativ sind, könnte sie schon mal wieder zurückfinden in den alten Job als Hure.

Trotzdem ist "einmal Hure, immer Hure" meiner Ansicht nach Unsinn. Ich denke der Grossteil der Aussteigerinnen geht nicht mehr zurück in den Job. Ich würde also ganz strikt sagen, dass Frau solange Hure ist, solange sie sexuelle Dienstleistungen für Geld anbietet. Wechselt sie den Job, ist sie keine mehr. Findet sie wieder zurück in den alten Job ist sie wieder eine.

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annainga
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Beitrag von annainga »

nachdem finanzielle mittel für die ausstiegshilfe aus der prostitution gestrichen wurden, ist es für frauen, die nicht mehr dieser arbeit nachgehen wollen oder noch nie wollten, noch schwerer geworden, einen anderen beruf zu finden.

das wort "ausstieg" wird als negativ bezeichnet, in anderen berufen spricht man nicht davon. in anderen berufen ist der wunsch, etwas anderes zu tun, nicht in dieser häufigkeit gegeben.

"einmal hure, immer hure" ist für mich der sog, den dieser beruf ausübt und das stigma, das nach dem ausstieg bleibt.

ich glaube, @HaDe schätzt es ganz richtig ein. frauen, die ein buch schreiben sind wohl die, die sich eh gut vermarkten können, aber von einem buch kann man nicht leben .....

im gegensatz zu dir @HaDe glaube ich aber nicht, dass ein großteil den wechsel in einen anderen beruf schafft. mit schaffen meine ich nicht, nicht mehr in der sexarbeit zu arbeiten, sondern unabhängig zu sein.

ich glaube, dass viele ehemalige sexarbeiterInnen von staatlicher unterstützung leben, kenne aber zuwenig frauen, die nicht mehr als sexarbeiterin arbeiten, um dies zu belegen. liegt mal wieder an den zahlen, die nicht vorhanden sind.

liebe grüße von annainga

HaDe
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Beitrag von HaDe »

annainga hat geschrieben:das wort "ausstieg" wird als negativ bezeichnet, in anderen berufen spricht man nicht davon. in anderen berufen ist der wunsch, etwas anderes zu tun, nicht in dieser häufigkeit gegeben.
Ich denke das hängt damit zusammen, dass Arbeit im Allgemeinen - egal welche - grundsätzlich positiv gesehen wird, Sexarbeit jedoch nicht. Den Spruch "Der/Die soll froh sein, dass sie/er eine Arbeit hat" kennst Du sicher. Bei Sexarbeiterinnen sagt das kaum wer. Würde ein Strassenkehrer oder eine Fliessbandarbeiterin offen davon Sprechen "Aussteigen" zu wollen, würden sie sogar Unerständnis ernten. Da spricht man höchstens von Umschulung oder Weiterbildung. Dagegen wird Sexarbeit als nicht erstrebenswert eingestuft - ein "Ausstieg" erscheint also gerechtfertigt.

Ich kann es nicht belegen, aber ich denke Job-Unzufriedenheit und der Wunsch etwas Anderes zu tun ist in *manchen* andren Berufen auch häufig. Allerdings wird das in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit nicht unbedingt so offen ausgesprochen.
annainga hat geschrieben: im gegensatz zu dir @HaDe glaube ich aber nicht, dass ein großteil den wechsel in einen anderen beruf schafft. mit schaffen meine ich nicht, nicht mehr in der sexarbeit zu arbeiten, sondern unabhängig zu sein.
Unabhängigkeit gibts in einigen Jobs nicht wirklich. Sie "working poor".

Eigentlich wärs gut, wenn der Staat mehr Unterstützung bei der Weiterbildung und/oder Umschulung bieten würde. Nicht nur Arbeitslosen, sondern generell auch Berufstätigen. Grundausbildung, mittlere und teilweise auch höhre Ausbildung ist Gratis, aber nur solange man sie im Jugendalter geniesst. Wenn da irgendwas schief geht - und sei es aufgrund der familären Situation - wirds wirklich schwierig sich zu verbessern.

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JayR
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Beitrag von JayR »

Also nu… annainga fragt, was wir Freier davon halten immer Freier zu sein.
Vielleicht auch wie wir mit unserem Freier-Dasein umgehen.

Das erste Mal war für mich eigentlich eine Art Mutprobe. Man kann ja nicht wissen, was so eine ungesittete Dame mit einem anstellt.
Es stellte sich heraus, dass sie sehr nett war. Und ich war auf den Geschmack gekommen.
Im Gegensatz zu Verhältnissen mit Frauen im privaten Umfeld, ist kommerzieller Sex sehr unkompliziert. Leicht anzufangen, keine Erwartungen an einen potentiellen Partner.
Man kann neue Dinge ausprobieren, es ist auch legitim, sich ganz einfach nur zu entspannen und zu geniessen ohne eine Gegenleistung zu bringen. Man hat ja bezahlt.
Was nicht möglich ist, ist die gleiche Intimität, die man im privaten Umgang mit Frauen haben kann, sowohl körperlich als auch geistig. Diese intime Nähe will ich aber auch gar nicht immer.
Kommerzieller Sex ist nur eine andere Spielart von Sex, die das Leben ein bisscher bunter macht.

Ob man über kommerziellen Sex einigermassen entspannt reden kann, kommt aber sehr auf den Zusammenhang an. Auf meiner Arbeit völlig unmöglich, im privaten Bereich ist es z. T. möglich.
Allerdings erlebe ich dort, dass einige Leute nicht mehr mit mir reden wollen, während andere sehr offen sind.

Also sind nicht nur Sexarbeiter stigmatisiert, wir Kunden sind auch, wenn wohl auch weniger.
Sogar Journalisten, die sich seriös, sprich positiv, mit dem Thema beschäftigen, können erleben, dass es Leute gibt, die ihnen Interviews in einem völlig anderen Zusammenhang verweigern.

Die Frage nach der Abhängigkeit ist bei mir nicht gegeben. Ich bin nur in jungen Jahren auf den Geschmack gekommen und sehe bei meinem moderaten Gebrauch kein Problem.
Genauso gut trifft zu „einmal Gitarrist, immer Gitarrist“ oder „einmal Radfahrer, immer Radfahrer“ oder „einmal Kaffeetrinker, immer Kaffeetrinker“.

Ich meine, dass die Ausstiegsproblematik bei Freiern und bei Huren völlig unterschiedlich ist.
Wie sicher auch das gemeinsame Zusammensein völlig unterschiedlich aufgefasst wird.

Eigentlich schade, dass wir die Diskussion im Sexworker only Bereich nicht mitverfolgen können.
Wir würden wahrscheinlich Dinge erfahren, an die wir nicht mal im Traum gedacht haben.

LG JayR

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annainga
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Kundenstigmatisierung

Beitrag von annainga »

ich weiß nicht @JayR, ob kunden weniger stigmatisiert sind. noch weniger sexarbeiterinnen, die sich outen, sind es kunden, die darüber reden.

als kunde, der eine sexdienstleistung in anspruch nimmt, gilt man schnell als egoistischer triebgesteuerter mann, der frauen benutzt. aber wem erzähl ich das. das weißt du ja noch besser ..... (siehe "freierbestrafung").

wobei ich als "arme, notleidende zwangsprostituierte" mir des mitleids sicher sein dürfte, nicht aber als selbstbewusste sexarbeiterin. ist mir im gespräch mit einer mir unbekannten frau im zug passiert. wir kamen über meine lektüre ins gespräch ("lebenssituation prostitution"), erst hielt sie mich für ein armes wesen, hinterher für eine geldgeile nymphomanin.

ich selbst mag die bezeichnung "freier" nicht, aber der spruch "einmal freier, immer freier" schließt einiges ein. die sucht, die entstehen kann, das vorurteil, das man dadurch bekommt. auf den einfachen, unkomplizierten sex zu verzichten, ist genauso schwer wie auf das schnellverdiente geld, hm?

liebe grüße, annainga

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Morpheus
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Re: Kundenstigmatisierung

Beitrag von Morpheus »

annainga hat geschrieben: auf den einfachen, unkomplizierten sex zu verzichten, ist genauso schwer wie auf das schnellverdiente geld, hm?
Das trifft bestenfalls auf Sexsüchtige oder auf Leute zu, die ihr gesamtes Sexualleben mittels Paysex zu regeln versuchen. Dann könnte ich mir schon vorstellen, dass man in eine gewisse Abhängigkeit kommt.

Nun meine Meinung zur Grundfrage....

Jeder Spruch hat immer eines gewissen wahren Kern, egal ob er jetzt auf die Freier od. die Huren gemünzt ist.

Grundsätzlich möchte ich doch anmerken, dass keine/r wirklich gezwungen wird Sex für Geld anzubieten, geschweige denn ihn zu konsumieren.

Die Damen und Herren, die mit der käuflichen Liebe nicht zurecht kommen, belassen es meist bei ein paar Versuchen und machen es dann NIE mehr.

Alle anderen haben zu Sex und im speziellen zum Paysex eine gewisse Affinität, die sie dann bei der Stange hält, weil sie bei dem Geschehen immer mehr ins "Milieu" eindringen und das löst häufig das Interesse nach mehr aus.
Viele Leute hinterlassen Spuren, nur wenige Eindrücke!

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JayR
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Beitrag von JayR »

annainga hat geschrieben: als kunde, der eine sexdienstleistung in anspruch nimmt, gilt man schnell als egoistischer triebgesteuerter mann, der frauen benutzt. aber wem erzähl ich das. das weißt du ja noch besser ..... (siehe "freierbestrafung").
Oder man gilt als das arme Schwein, das sonst keinen Sex bekommt.
Es tauchen doch eine Menge eigenartige Ideen darüber auf, was Kunden für Leute sind. Eklige, fettleibige, ungewaschene Männer ohne Manieren, die sonst keine Frau anrühren würde. Und das obwohl es Untersuchungen gibt, nach denen Kunden alle möglichen völlig normale Männer sind.

Aber auch wenn man ganz offensichtlich zu den ganz normalen Männern gehört, tickt man wohl aber doch nicht richtig wenn man zu einer Prostituierten geht. Wobei das schlimme dabei zu sein scheint, dass es sich um eine Prostituierte handelt. Wie kann man nur.

Es ist aber moralisch völlig in Ordnung, betrunken ungeschützten Sex mit allen möglichen Frauen zu haben, die man in der Disco kennenlernt.

Ich lebe in einem Land, in dem Freier nicht bestraft werden und eigentlich auch kein grosser öffentlicher Druck auf die Freier ausgeübt wird. Die Situation in Schweden ist viel schlimmer.

Darüber kann man im Schwedenthread lesen.
viewtopic.php?t=912
annainga hat geschrieben: wobei ich als "arme, notleidende zwangsprostituierte" mir des mitleids sicher sein dürfte, nicht aber als selbstbewusste sexarbeiterin. ist mir im gespräch mit einer mir unbekannten frau im zug passiert. wir kamen über meine lektüre ins gespräch ("lebenssituation prostitution"), erst hielt sie mich für ein armes wesen, hinterher für eine geldgeile nymphomanin.
Bei uns sind sich die armen notleidenden Prostituierten auch des Mitleids sicher.
Wenn man aber selbstbewusst auftritt… dann wird einem an den Kopf geworfen, dass man auf keinen Fall seine Lage richtig einschätzen kann. Dass man freiwillig Sexarbeit macht, kann doch höchstens mehr oder weniger freiwillig sein, am besten weniger. Das kann man aber nicht selbst erkennen, da man in einer Wolke von Selbstbetrug lebt. Oder man ist die ganz grosse Ausnahme.
annainga hat geschrieben: ich selbst mag die bezeichnung "freier" nicht, aber der spruch "einmal freier, immer freier" schließt einiges ein. die sucht, die entstehen kann, das vorurteil, das man dadurch bekommt.
Ich mag die Bezeichnung ”Freier” auch nicht. Klingt in meinen Ohren, als ob ich auf Freiersfüssen mit einem Strauss roter Rosen um die Hand der Dame anhalte. Aber genau das tue ich ja nicht.
Aber vielleicht ist der Begriff ja mit Prostitution in Verbindung gebracht worden, um eine moralische Untat zu beschönigen. Oder damit etwas gesittete Leute überhaupt ein Wort für uns haben.
Ich benutze den Begriff aber hier da es ja das Thema ist.
annainga hat geschrieben: auf den einfachen, unkomplizierten sex zu verzichten, ist genauso schwer wie auf das schnellverdiente geld, hm?
Und warum sollte man auf einfachen, unkomplizierten und ganz unschuldigen Sex verzichten? Für uns Kunden, die damit umgehen können, ist es doch nur eine der angenehmen Seiten des Lebens.

Für Kunden, die nicht damit umgehen können, gibt es sowohl in Dänemark als auch in Schweden eine Hotline, bei der man sich anonym Rat holen kann. Ob die auch konkrete Ausstiegshilfe für Kunden anbieten können, weiss ich aber nicht.

Das mit dem schnellverdienten Geld möchte ich hier lieber nicht diskutieren. Dann wären wir bei dem Thema, warum Sexarbeiter eigentlich den Beruf ausüben. Und wir wären bei dem Thema wie Sexarbeiter selbst ihre Rolle sehen und warum so viele gerne den Beruf wechseln möchten.
Annainga, du bist wahrscheinlich bereit, das ehrlich zu diskutieren. Aber andere auch?

Liebe Grüsse
JayR

cora5556
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Beitrag von cora5556 »

Diese Pauschalisierung ist meines Erachtens völliger Blödsinn. Es kommt doch immer darauf an, warum die entsprechende Person Freier oder Hure ist. Viele Männer nutzen den Pay-Sex doch nur als Übergangslösung weil sie keine Partnerin haben oder mit ihrer Partnerin, aus welchen Gründen auch immer, keinen Sex haben können. Ändert sich die Situation, nimmt er keinen Pay-Sex mehr in Anspruch. Genauso gibt es viele Frauen, die nur aus einer zeitweiligen, finanziellen Notlage heraus, als Sexworkerin arbeiten. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Sicher gibt es auch Männer, die einfach den Kick brauchen, sich sexuelle Dienstleistungen zu kaufen, wie es auch Frauen gibt, die Hure aus Leidenschaft sind.

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annainga
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Beitrag von annainga »

JayR hat geschrieben:Annainga, du bist wahrscheinlich bereit, das ehrlich zu diskutieren. Aber andere auch?
ich denke, es gibt einige andere, die das auch täten, aber für die meisten stellt sich die frage nicht, weil sie mit ihrem beruf zufrieden sind. sexarbeit anzubieten ist eine besondere dienstleistung, die einem besonderes abverlangt, die einen in eine besondere gesellschaftliche stellung bringt und die besonders bezahlt wird. aus meiner erfahrung stellt sich die frage für selbstständig und autonom arbeitende sw´s am wenigsten.

ich werde immer wieder mal gefragt "wie lange willst das noch machen?" meine antwort: solange die kunden mein angebot suchen und ich das geben kann, was erforderlich ist. altersabhängig mache ich es nicht, ich habe auch keinen zeitraum festgelegt. wäre wohl ein anderer themenbereich.

noch zu @morpheus: richtig, keiner muss sex konsumieren, noch anbieten. zu mir sagte mal eine kollegin nach einem anstrengenden tag "in meinem nächsten leben werd ich keine hure mehr", ich musste erst grinsen, wie sie das mit so einem seufzer sagte, aber was beinhaltet dieser satz? dass sie dazu geboren ist? das sie auf das nächste leben warten muss, um was zu ändern? naja, muss man nicht zerpflücken, sie war halt kaputt und dann darf man sich schon mal jammern.

das weitergehende interesse an meinem beruf, an dem milieu ist auch bei mir geweckt worden, vor allem durch das forum, in dem ich dinge, die ich lese, erlebe mitteilen und diskutieren kann.

bei meinen kunden fällt mir auf, dass es einige gibt, die geld für sexarbeit als festen kostenbestandteil aufnehmen (ich habe einige ältere rentner, die vieles planen und einteilen), die sehen das auch als angenehme gesundheitsvorsorge (sex schützt vor prostata-erkrankungen).

liebe grüße von annainga

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Beitrag von Morpheus »

annainga hat geschrieben:zu mir sagte mal eine kollegin nach einem anstrengenden tag "in meinem nächsten leben werd ich keine hure mehr" .....
Zunächst einmal bin der festen Überzeugung, dass keiner für irgendeinen Beruf geboren wird.

Ich glaub, solche Aussprüche sollte man nicht überbewerten.

Wie oft hab ich schon von Freunden der "käuflichen Liebe" gehört:
".. wenn ich als Frau geboren wäre, würde ich die größte Hure sein!"
ohne jemals über die Konsequenzen nachgedacht zu haben.
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Beitrag von Harald »

Sicher gibt es auch Männer, die einfach den Kick brauchen, sich sexuelle Dienstleistungen zu kaufen, wie es auch Frauen gibt, die Hure aus Leidenschaft sind.
Das Wort "auch" ist für mich der Punkt auf den es ankommt. Um komplexe Sachverhalte erfaßbarer zu machen, neigen wir wohl immer dazu zu pauschalieren, bzw. zu kathegorisieren.

"Freier" oder "Hure" allein, das ist niemand. Jeder von uns hat unzählige Rollen, die er in seinem Leben wahrnimmt: Vater, Sohn, Bruder, Mutter, Tochter, Schwester, ÄrztIn, Kaufmann/frau, SchülerIn, PartnerIn .............
Und in jeder Rolle trennen wir uns in gewissem Maße von all den anderen Rollen.

Tja, das war mal mein Denkansatz. :017

lg
Harald
"Was wollen wir mehr, als immer mehr als alle anderen?"

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Beitrag von Harald »

Während ich das Geschirr abgewaschen habe, hatte ich zeit darüber nachzudenken, wie ich das folgende formulieren könnte:

Wir unterscheiden nicht nur, zwischen den vielen Rollen welche wir wahrnehmen, sondern wir verhalten uns auch in jeder Rolle "anders".

Und: Schlußendlich sollten wir uns darüber Klarheit verschaffen, welche bzw. wessen Interessen/Bedürfnisse wir in der jeweiligen Rolle erfüllen oder befriedigen.

Ich glaube schon die letzte Frage - für jede einzelne Rolle durchdacht - würde uns über die Gesellschaft und über uns selbst vieles erhellen.


lg
Harald

P.S.: Ich hoffe, das Geschirrabwaschen hat genützt. ;O)
"Was wollen wir mehr, als immer mehr als alle anderen?"

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Beitrag von Nathalia »

Hallo auf alle,

nach dem ich das ganze gelesen hatte,muss ich mich dazu auch äussern.

"Einmal Hure,immer Hure"

Nach meine Erfahrung,kommst drauf an,aus welchen gründen das die Frau macht und mit welche Anstellung.
Es sind Frauen,welche das machen wegen bestimmten Zielen.Das was die verdienen,investieren in Wohnung,Studium auf Seite legen.Und später hören die Problemlos auf,gehen die in den Studierten Beruf,schon früher gelernten Beruf,oder bewirklichen sich ein Traum und haben ein angenehmes Leben und denken nicht da drauf wieder zurück kehren.

Manche machen das grundlos,einfach nur um Geld zu verdienen,gute Klamotten von Versace oder Cavalli zu tragen,aber nicht auf die Zukunft denken,davon kenne ich viele,die eine habt ihre ganze Klamotten in Tüte,fährt von Wohnug zu Wohnug,ohne nachzudenken was kommt,die andere,wenn man sie Fragt,was willst Du später machen,Du bist schon 42 jahre,verdienst nicht mehr,hast nichts angespart,sagt "Ich werde ein reiche Mann heiraten " ,aber das die reiche Männer wollen keine 40 Jährige,das ist egal.Auf Zukunft denken,denken diese Frauen erst wenn meist zu spät ist,und dann sind die eigentlich dazu gezwungen das immer machen.Auch wenn die ausprobieren,normale arbeit zu finden,kommen die nicht mit 800 euro in Monat aus.


"Einmal Freier,immer Freier"

Wieder Erfahrung,ich habe genügen Kunden gehabt,welche mir gesagt hatten,das auch wenn die sich verliebt hatten,und heirateten,trotzt nach ein par Jahren,wieder zu eine Dame gegangen sind,aus verschiedenen Gründen.Es musst natürlich nicht bei allem so sein,aber die meisten hatten es mir bestätigt.


Es ist natürlich nur meine Meinung.


LG Nathalia

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Beitrag von annainga »

soso @harald, beim geschirrspülen hältst du also innerliche dispute über rollenverteilung? was war der anlass? wobei mir geschirrspülende männer schon sympathisch sind .....

das mit den rollen durchdenken hat mir gefallen. aber in jeder rolle blitzt die persönlichkeit durch. und die rolle, in der man sich am wohlsten fühlt, wird man versuchen, möglichst oft einzunehmen.

ein ehemaliger kunde von mir versuchte mir mal seine sucht zu erklären. er war wirklich süchtig, er hat sogar schulden gemacht, um sein bedürfnis nach sex zu befriedigen. er hatte immer die hoffnung, die nächste wäre es. die traumfrau mit der er den traumsex genießen könnte. er hat viele tolle frauen gehabt, aber immer noch etwas mehr haben wollen. dann hatte er zwischendurch freundinnen, die aber seine art des sex nicht wollten. deswegen wieder bezahlter sex, weil er mit einer partnerin nicht mehr umgehen konnte, weil bestimmen wollte.

keine ahnung, was aus ihm geworden ist, nach 3 treffen war ich ihm wohl auch überdrüssig und er brauchte einen neuen kick. ich glaube, er war einsam und auf der suche nach etwas, was man in der sexarbeit selten findet.

als ich deinen beitrag so las @nathalia fiel mir ein spruch meiner ersten chefin ein: so schnell man das geld verdient, so schnell geben es die frauen auch wieder aus. das ist echt ein fehler.....

wie alt ist eigentlich die älteste sexarbeiterin, die ihr kennt?

liebe grüß, annainga

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Nathalia
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Beitrag von Nathalia »

Hallo anainga,

Du hast recht,es ist echt schade,das manche Frauen nutzen der verdienst nicht zu guten.Vielleicht das wegen,habe ich keine Freundinnen,welche auch SW ist.Die welche ich gedacht hatte sind,hatten mich sehr böse überrascht mit denen Neid.Aber das ist andere Thema,jetzt habe ich diese Forum,wo ich sagen kann,was ich zu sagen habe.

Und zu deine Frage:

Die Älteste war 62 Jahre.Von die konnte man sehr viel lernen,es war eine sehr nette Frau,welche mich bald als Tochter behandelt hatte.


LG Nathalia

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kaktus
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Beitrag von kaktus »

ich glaube Freier zu sein hat genausoviele Gründe wie Hure zu sein.
Wenn die Gründe wegfallen ist man es eben nicht mehr!
Z.B. Ein Mann verliert seine Partnerin (Scheidung, Verlassen,Tod) er wird zum Freier. Nach einiger Zeit hat er eine neue Partnerin also braucht er (vielleicht nur für einige Zeit) keine SW.
Eine SW will sich ihr Studium finanzieren oder ein Geschäft eröffnen und braucht dazu Geld--sie erreicht ihr Ziel und braucht SW nicht mehr.

Es gibt bestimmt Freier die immer Freier sind und Huren die immer Huren sind aber nur weil sie es so wollen.

LG Kaktus