Dona Carmen e.V. Sexarbeits-Hygienekonzepte versus Grundrechte

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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Kasharius
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Dona Carmen e.V. Sexarbeits-Hygienekonzepte versus Grundrechte

Beitrag von Kasharius »

Hier eine Erklärung von Dona Carmen e.V. vom 27. Mai 2020 zur aktuellen Diskussion um Hygiene-Konzepte in der Sexarbeit und zugleich eine kritische Bestandsaufnahme der vorgelegten Konzepte:

https://www.donacarmen.de/sexarbeits-hy ... undrechte/

Kasharius grüßt

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Lucille
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Re: Dona Carmen e.V. Sexarbeits-Hygienekonzepte versus Grundrechte

Beitrag von Lucille »

Alle autark ohne Betreiberbindung arbeitende Sexdienstleistende mögen sich insbesondere den Wortlaut des letzten Absatzes auf der Zunge zergehen lassen:

„Wer ernsthaft Interesse an Gesundheitsschutz hat, auch und gerade im Zusammenhang mit COVID19, sollte die Forderung nach einer Öffnung der Bordelle unterstützen. Dort und nirgends sonst lassen sich gesundheitliche Standards im Zusammenhang mit Prostitution verankern und durchsetzen. Wer dagegen opponiert, trägt lediglich dazu bei, dass sich der Kauf und Verkauf sexueller Dienstleistungen in einen privaten Graubereich verlagert, der abgesehen von seiner schweren Erreichbarkeit gänzlich ungeeignet ist, die Umsetzung und Einhaltung sinnvoller gesundheitlicher Standards zu institutionalisieren.“

… offenbart sich nicht hier die immerwährende Intention gegen einen zu selbstbewussten Berufsverband vorwiegend großbetreiberunabhängig arbeitender Solo-Selbständiger mit diskreditierender Überheblichkeit zu schießen?

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floggy
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Dona Carmen e.V. Sexarbeits-Hygienekonzepte versus Grundrechte

Beitrag von floggy »

Ich sehe die Aussage im Zusammenhang mit der (alten) Forderung,
die Aufsuchende Arbeit nach Paragraf 19 IfSG wieder aufzunehmen.
Bei 80% Migrantinnenerreichbarkeit erscheint mir die Einstellung
logisch und sehr verantwortungsvoll. Vielleicht diskutieren wir von
unterschiedlichen Ebenen aus, oder unterschiedliche Themenkreise?

Vor Corona haben sich die Heilsbringer die Klinke in die Hand gegeben.
Klar daß Indoor Sex Workers die Schnauze voll haben von Kondom-
geschenken und Kurzgebetsheftchen, und Gesundheitsämter vorziehen,
da deren Besuch sachlich angemessen erscheint. Die Heilsbringer
dagegen wollen ja nur die Seele retten, in dem sie immer mehr
existenzielles Leiden verursachen, um die Seele zum Einlenken zu
bewegen.

Früher konnte man auch niederschwellig ins Gesundheitsamt zur
Beratung, Untersuchung, und Behandlung kommen, und damit für
sich und andere aktiv Verantwortung übernehmen.

Für Sex Workers ist es allgemein gefährlich mit Kondomen am
Flughafen aufzukreuzen, siehe Fall München 2017 - Stichwort
Bordsteinschwalbe, und für Betreiber galt die strafbare Förderung
der Prostitution. Aus dem Verbot wurde 2017 ja nun eine Pflicht.
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Lucille
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Re: Dona Carmen e.V. Sexarbeits-Hygienekonzepte versus Grundrechte

Beitrag von Lucille »

Und was hat das nun mit der Aussage zu tun, dass nur Bordelle angemessene Hygienestandards einhalten könnten und den alleine arbeitenden SW das nicht zugetraut werden kann?
Zitat:“Dort und nirgends sonst lassen sich gesundheitliche Standards im Zusammenhang mit Prostitution verankern und durchsetzen.“

Ich verbitte mir diese pauschale Unterstellung als nicht in einem Bordell einmietende Sexdienstleisterin unfähig zum unbeaufsichtigten Händewaschen zu sein. Punkt.

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floggy
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Dona Carmen e.V. Sexarbeits-Hygienekonzepte versus Grundrechte

Beitrag von floggy »

Darf ich bitte ergänzen: Was nun, wenn man gutmeinend 'Bordelle' im
Gegensatz zum 'Graubereich' sieht, setzt und denkt? Ich tue es.
Vielleicht ersetzt ja Doña Carmen 'Bordelle' noch durch 'Sexarbeitsorte'.
Dann ist die Besenkammer im Hotel auch abgegolten.

Ansonsten lese ich, daß es ums 'Verankern' und 'Institutionalisieren'
eines Hygienekonzepts geht. Die Berufsverbände haben ja der Kritik
nach den Sex Workers einen Bärendienst erwiesen mit ihrem voraus-
eilenden Gehorsam.

'Durchsetzen' im Sinne von Doña Carmen heißt nie und nimmer mit
LAW AND ORDER, sondern immer mit AKZEPTANZ.

Liebe Grüße
Zuletzt geändert von floggy am 28.05.2020, 23:21, insgesamt 2-mal geändert.
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Lucille
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Re: Dona Carmen e.V. Sexarbeits-Hygienekonzepte versus Grundrechte

Beitrag von Lucille »

Ich sehe was geschrieben steht. DonaCarmen schreibt „Dort und nirgends sonst“.

Einerseits Gesundheitsberatungen beim psychologischen Dienst zu Recht anprangern, andererseits nun einzel arbeitende Sexworker als unfähig zu gesundheitlichen Hygienestandards erklären - das ist schon gewaltig ‚starker Tobak‘ :-((


( oder wurde bei DonaCarmen inzwischen das Selbstverständnis/ das Vereinsziel der Satzung umformuliert?)
Zuletzt geändert von Lucille am 28.05.2020, 19:56, insgesamt 1-mal geändert.

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floggy
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Dona Carmen e.V. Sexarbeits-Hygienekonzepte versus Grundrechte

Beitrag von floggy »

Ich hab' jetzt auch nochmal gelesen, und Doña Carmen macht es Schnelllesern leicht. Hier nur die fett-markierten Stellen:

Plädoyer für praktikable Hygiene- und Öffnungskonzepte bei Prostitution
1. selbstverantworteten und informierten Umgang mit Infektionskrankheiten
2. 1,5-Meter-Abstandsregel nicht zwingend die Grundlage für Hygienekonzepte im Prostitutionsgewerbe
3. informierter Umgang (Anm: mit COVID19)
4. Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern (Anm: in die Pflicht nehmen)
5. Öffnung der Bordelle (Anm: keine Verlagerung in privaten Graubereich)

Da die Artikelüberschrift ironisch "Sex gegen Kontaktdaten?" lautet, kann dieser Punkt nicht vergessen worden sein. Er steht nicht zur Diskussion.

@Lucille hat upgedatet, daher noch eine Ergänzung: Doña Carmen hat sich immer für kostenlose und anonyme Gesundheitsberatung ausgesprochen. Das was im ProstSchG geregelt ist, und das was mancherorts praktiziert wird, ist nicht freiwillig.

Es gibt so viele Kamasutra Posen wo die Köpfe nicht beieinander sind. Es gibt sogar Glory Hole. Und es gibt Fußerotik. Wenn jemand mit Motorradhelm kommt, hätte ich gerne ein Foto. Gestern war ich Waxing. Auf dem Rücken liegend haben wir nichts gesprochen, auf dem Bauch liegend haben wir uns alles erzâhlt, was sich in den letzten Monaten ereignet hat. Nur Sprechen/Spucken und Niesen ist gefährlich. Aber was macht die Friseuse trotz meines Wunsches alles vorher zu klären? Sie antwortet der Chefin lautstark keine 20 cm von meiner Gesichtshälfte entfernt. Da hab ich die Tröpfchen förmlich fliegen sehen.

Guten Abend, ich muß jetzt abschalten
Wo Schatten ist, muß auch Licht sein.