Kürzlich erhielt ich die zu diesem Zeitpunkt noch eher interne untenstehende Information des BesD e.V.
Nach Rückfrage, ob eine Kooperation mit dem Forum angedacht sei, erhielt ich die Antwort,
dass der BesD e.V. erfreut wäre, wenn sein Vorhaben auch hier verbreitet werden würde.
Hiermit erledigt.
BesD e.V. Info-Portal SW-Recht
Der BesD e.V. beabsichtigt, so das Vorstandsmitglied Fabienne Freymadl, eine Internetseite zu entwerfen und zu betreiben, die vor allem Sexarbeitenden einen einfachen Zugang zu fundierten Informationen über die Rechtssituation im Feld der erotischen und sexuellen Dienste bietet.
»Alle wichtigen Informationen sollen einfach und auf einen Blick gefunden werden und der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich sein. Kolleg*innen sollen schnell finden, was sie suchen und nicht davon abhängig sein, dass ihnen jemand den Paragraphendschungel erklärt. Wissen ist Macht!« (Fabienne Freymadl)
Es ist erfreulich, dass der BesD e.V. neue Initiative im Zusammenhang mit dem neuen SW-Recht ergreift. Ich hoffe, dass das beabsichtigte Portal inhaltlich fundiert und zugleich übersichtlich Informationen zur Verfügung stellt. Dabei sollte, auch wenn es um sachbezogene, praxisorientierte (so verstehe ich die Initiative) mehrsprachige Information geht, die sich vor allem an (auch die !!!migrierten!!!) Sexarbeitenden wendet, nicht vergessen werden, dass es insbesondere auch hier auf sexworker.at eine ausführliche kritische Auseinandersetzung mit dem neuen SW-Recht gibt. Dies Forum hat zudem den Vorteil, dass es allen Interessierten offen steht, hier also eine breite öffentliche Diskussion stattfinden kann. Diese Möglichkeit bietet der BesD e.V. nicht. Und: Die kritische Diskussion um das neue SW Recht wird sich, die Initiative Verfassungsbeschwerde von Dona Carmen zeigt dies, in diesem Forum fortsetzen, wie sie hier nach dem Bundestags- und Bundesratsbeschluss intensiv fortgesetzt worden war, auch wenn der BesD e.V. dazu, zumindest in diesem Forum wenig beigetragen hat, was bedauerlich ist.
Es ist wichtig, Sexarbeitenden praxisnahe Informationen zur Verfügung zu stellen, die einen Umgang mit dem neuen SW-Recht ermöglichen, der die Gefahren für Sexarbeitende und Sexarbeit, die dieses Recht enthält, nicht noch vergrößert. Dieser Umgang mit dem neuen Recht hat ebenso wie die 1000 ganz legalen Steuertips seine Berechtigung und ist notwendig. Wir als "Haus9", also Lara, ihre dort tätigen zumeist rumänischen Kolleginnen und ich werden daher, soweit es in unserer Kraft liegt, Übersetzungen der Texte ins Rumänische zur Verfügung stellen. Denn das neue SW-Recht trifft migrierte SW zumeist härter als Deutsche. Es gilt ihnen besondere solidarische Unterstützung. Migrierte SW verfügen in aller Regel über weniger Ressourcen als Deutsche, um sich gegen die Auswirkungen zu wappnen, die das neue SW-Recht haben kann.
In Verbindung mit dem neuen Menschenhandelsrecht, dass eine Gefährdung der sexuellen Selbstbestimmung bereits im Falle einer wirtschaftlichen Zwangslage annimmt, könnte eine Hürde errichtet werden, an der Menschen, die in die SW nach D migrieren wollen, im Anmeldeverfahrens scheitern. Der individuelle Berufszugang kann ihnen über die Verweigerung einer Anmeldebescheinigung verschlossen werden. Armut als Begründung heranziehend. Eine wirtschaftliche Zwangslage liegt, folgt man der Begründung des neuen Menschenhandelsrechts, in Ländern wie Rumänien oder Bulgarien häufig vor, da das dortige Durchschnittseinkommen selbst kaufkraftbereinigt nur unwesentlich bis moderat über dem deutschen Sozialhilfesatz (inklusive Kosten für Wohnung) für Erwachsene liegt ( https://de.statista.com/statistik/daten ... in-der-eu/ ).
Auch daher würde ich mir wünschen, dass das Portal über die Kritik der Pro-SW-Aktiven an dem neuen Recht und die fortgesetzten Initiativen gegen dessen Umsetzung bzw. für dessen Veränderung informiert, die z.B. hier auf sexworker.at umfassend dokumentiert werden, dass das Portal also über das Konzept hinausgeht, dem Ratgeber wie die mit 1.000 Steuertips folgen. Das Portal sollte kein Ort des kritiklosen Pragmatismus sein, sondern ein Ort, der die Vielfalt des kritischen Umgangs mit dem neuen SW-Recht dokumentiert. Es sollte sowohl pragmatisch, als auch kritisch, vielfältig und es sollte kooperativ sein, also alle Pro-SW-Aktiven berücksichtigen.
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Schreiben, damit niemand sagen kann, von nichts gewusst haben zu können.