Was haltet ihr vom "nordischen Modell"?

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
Soundso345
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Was haltet ihr vom "nordischen Modell"?

Beitrag von Soundso345 »

Durch die Suche habe ich jetzt keinen Thread gefunden indem es speziell ums nordische Modell geht. Falls es so einen Thread allerdings doch schon geben sollte, tut es mir Leid.

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Wie ich schon in meiner Vorstellung erwähnt habe, bin ich seit neustem Teil einer Organisation, die sich für die Rechte von Betroffenen sexueller Gewalt einsetzt.
Wir führen momentan eine Diskussion zum Thema Sexwork bzw. dem nordischen Modell. Die Mehrheit unserer Organisation ist für die Einführung des nordischen Modells, ich persönlich bin bisher eher dagegen.
Ich finde es allerdings um eine Position in dieser Frage zu bekommen wichtig mit denen zu reden, um die es eigentlich geht, also in dem Fall den Sexworkern. Daher würde es mich, vorallem wenn ihr Sexworker seid, interessieren was ihr dazu denkt.
Da es schon spät ist und ich ins Bett muss, will ich jetzt grad nicht allzuviel schreiben, aber wenns euch interessiert kann ich hier gerne mal sowohl die Argumente der Befürworter des nordischen Modells auflisten, als auch meine.

Falls irgendwer nicht weiß, worum es bei dem nordischen Modell geht: In den skandinavischen Ländern wurde eingeführt, dass Freier gesetzlich bestraft werden, während die Sexarbeit selbst legal bleibt. Zudem sollen Sexworker unterstützt und beraten werden, von psychologischer, sozialarbeiterischer Seite wie auch in finanzieller und weiterer beruflicher Hinsicht.
Es ist also nicht direkt ein Prostitutionsverbot, sondern eher ein Freierverbot.

Was haltet ihr davon?

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Zwerg
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Re: Was haltet ihr vom "nordischen Modell"?

Beitrag von Zwerg »

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Soundso345 hat geschrieben:Wie ich schon in meiner Vorstellung erwähnt habe, bin ich seit neustem Teil einer Organisation, die sich für die Rechte von Betroffenen sexueller Gewalt einsetzt.
Wir führen momentan eine Diskussion zum Thema Sexwork bzw. dem nordischen Modell. Die Mehrheit unserer Organisation ist für die Einführung des nordischen Modells, ich persönlich bin bisher eher dagegen.
Um welche Organisation handelt es sich?

Weiters: Diese Organisation setzt sich für Rechte von Betroffener sexueller Gewalt ein - und diskutiert dabei über Sexarbeit? Und dann über das nordische Modell? Ihr geht also davon aus, dass Sexarbeit mit sexueller Gewalt gleichzusetzen ist? Und denkt, dass ein Verbot (egal von welcher Gruppe der Beteiligten) - also eine Illegalisierung bzw. auch Kriminalisierung eine Lösung darstellt?

Es gibt etliche Threads im Forum der SexarbeiterInnen aus welchen hervorgeht, dass die Mehrzahl der UserInnen von sexworker.at dies (selbstverständlich) ablehnt...

Noch eine grundsätzliche Überlegung - die Abstimmung betreffend: Es macht für mich (als Senioradmin des Forums, aber auch als Vorstandsmitglied des Vereines) überhaupt keinen Sinn, wenn man derartige Umfragen im öffentlichen Bereich abhält. In diesem Areal können alle registrierten UserInnen (also auch NICHT-SexarbeiterInnen und vor Allem NICHT-Verifizierte UserInnen) mitstimmen. Aus meiner Sicht der Dinge, kann so eine Frage nur sinnvoll beantwortet werden, wenn man direkt SexarbeiterInnen um ihre Meinung befragt - und dazu dienen die internen Räume des Forums, zu denen nur verifizierte SexarbeiterInnen Zugang haben. Und da ist die Meinungsfindung schon seit Langem geschehen.

Wir von sexworker.at treten in eindeutiger Mehrheit gegen jede Form der Kriminalisierung von Sexarbeit auf! Auch die Diskussionen (Unbeteiligte definieren Sexarbeit per se als Gewalt - und fordern dann Verbote) sind für uns nicht nachvollziehbar - insbesondere wenn die Begründungen für solche Verbote in keinster Weise unserer Erfahrungen (ich selbst leite seit mehr als 8 Jahren unsere Notrufnummer - bin also 24 Stunden täglich erreichbar) entsprechen....

In Deiner Vorstellung schreibst Du, dass Du gegen eine Diskriminierung von SexarbeiterInnen bist - Ich möchte Dir nicht zu Nahe treten, aber ich persönlich empfinde es bereits diskriminierend, wenn eine Gruppe beginnt, über die Köpfe von Anderen hinweg, über ein Verbot des Lebensunterhaltes zu diskutieren.... (ist jetzt meine persönliche Meinung). Ich möchte Dir (Euch) die Studie von Frau Dr. Amesberger (Vergleich Niederlande, Schweden, Österreich) http://www.wien.gv.at/menschen/frauen/p ... tution.pdf ans Herz legen - oder aber den Austausch mit SexarbeiterInnen - auf Augenhöhe. Aber bitte bevor eine Positionierung geschieht.

Wie hat Frau Dr. Amesberger vom Institut für Konfliktforschung so schön gesagt:

Bei Sexarbeit kann man folgendes beobachten:

Nahezu Jeder hat eine Meinung - und die Wenigsten eine Ahnung.....

Dies ist nicht böse gemeint: Soll nur als Denkanstoß dienen, ob man wirklich genug über eine Materie weiß, um Meinungen zu vertreten - oder noch schlimmer: Verbote zu fordern!

christian
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Re: Was haltet ihr vom "nordischen Modell"?

Beitrag von Aoife »

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Soundso345 hat geschrieben:Durch die Suche habe ich jetzt keinen Thread gefunden indem es speziell ums nordische Modell geht.
Das liegt daran, dass es das "Nordische Modell" überhaupt nicht gibt ... es handelt sich bei dieser Begriffsschöpfung um den relativ jungen Versuch dem Schwedischen Modell einen überregionalen Anstrich zu verpassen.

Somit ist reichlich Material hier zu finden: http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=912

Auch wenn ich Zwerg in allen Punkten Recht gebe, so denke ich doch, dass jeder denkende Mensch anhand dieses Materials Folgendes feststellen kann:

Ob Außenstehender oder SW, wer für das Schwedische Modell ist

1. kennt es entweder nicht und und lässt sich durch manipulative Rhetorik verführen es zu unterstützen, oder

2. will genau das was dieses Modell bewirkt: Aushebelung der Menschenrechte und Förderung des organisierten Verbrechens, unter anderem dadurch dass Staatsdiener in Positionen gebracht werden in denen sie sich unter dem Deckmantel der "Legalität" an diesem Verbrechen aktiv beteiligen können.


Leider gibt es noch immer Menschen, die nicht verstanden haben, dass ihre Menschenrechte nich vom ach so guten Staat gewährt werden (die staatliche Propaganda legt ja auch nahe, dass das angebliche Einhalten der Menschenrechte eine Art Gütesiegel für einen Staat darstellen würde), sondern dass Menschenrechte ihre natürlichen Rechte *gegen* den Staat sind. Wir haben keine "Menschenrechte gegen unsere Mitmenschen" - ein Staat, der die Argumentation anführt unsere Menschenrechte beschneiden zu müssen um die angeblichen Menschenrechte unserer Mitmenschen (die diese ja auch gegen uns gar nicht haben, sondern nur gegen den Staat) zu schützen, mißachtet die natürlichen Menschenrechte grundsätzlich und mißbraucht den Begriff um seine eigenen Menschenrechtsverletzungen zu beschönigen.

Praktisch heißt das in diesem Zusammenhang: Wer SW ihre Würde abspricht um Gesetze zu rechtfertigen die diese Würde wieder herstellen sollen, der begeht ein Verbrechen gegen die Menschenrechte.

Wohlgemerkt: Dieser Satz gilt nur in seiner Gänze ... SW die Würde abzusprechen alleine ist Teil des Rechts auf freie Meinungsäußerung, davon sind auch schlichtweg dumme Meinungen nicht ausgenommen :002

Sobald aber diese Einzelmeinungen zusammengenommen als Rechtfertigung für Gesetzgebung benutzt werden handelt es sich um Diktatur - jede Erwähnung der "Würde" der Betroffenen ist reine Rhetorik und stellt objektiv gesehen das genaue Gegenteil dar, denn es ist ja gerade die Staatspropaganda, die SW die (laut Lippenbekenntnis unantastbare) Würde abspricht.

Ob diese Klarstellung eurer Gruppendiskussion etawas bringt weiß ich nicht, liebe soundso, leider (meine persönliche Meinung) sind viele Menschen so traumatisiert dass sie ihr inneres Chaos auch im Außen sehen wollen - und somit nur allzu bereit sind jeder noch so absurden Argumentation zu folgen, wenn diese Diktatur fordert ... anders hätte es nie zu diesem "Schwedischen Wahnsinn" kommen können.

Liebe Grüße, Aoife
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RE: Was haltet ihr vom "nordischen Modell"?

Beitrag von fraences »

Hallo Soundso,

das Schwedische Modell ist einfach absurd.

Freierbestrafung IST Hurenbestrafung.

Seitdem es thematisiert, habe ich mir viel Gedanken darüber gemacht. Und wenn ich nur das Wort "Schwedische Modell" höre oder lese, wird mir "kotzübel".

Mich stresst es total ab, wenn ich nur darüber nach denke. Passiert mir in letzte Zeit oft, wenn ich ein tollen Date mit einem sympatischen konrekten Gast hatte und mir vorstelle in Deutschland würde die Freierbestrafung eingeführt werden.

Ich überlege mir schon, wie könnte ich meine Kunden schützen.
Welche Vorsichtsmassnahmen müsste ich treffen, das er nicht von der Polizei erwischt wird?
Wie halte ich den Treffpunkt (Arbeitswohnung, Hotel etc) geheim, damit die Verfolgungsbehörden nicht stürmen können?
In wie fern mache ich mich zum MIttäterin?
Welche Abmachung muss ich mit meinen Kunden treffen für den Fall der Fälle, wenn wir kontrolliert werden?
Dann denke ich , warum muss ich das bei eine legale Tätigkeit machen? Wie absurd!!!
Ist es überhaupt meine Aufgabe Kunden zu schützen?
Warum werden meine Kunden kriminalisiert?
Warum soll ich polizeiliche kontrolliert werden bei der Ausübung meiner Arbeit?
Wie viel Polizisten will man dafür einsetzen?
Wie viel Steuergelder soll dafür verschwendet werden?

Kundendates sind mein Existenz!
Mit welchem Recht will man mir die mir absprechen????
Stell dir vor du hast ein Auto, aber es ist verboten es zu betanken

Es gibt noch viele andere Aspekte, das die Absurdität des Schwedisches Modell für uns Sexworker hat.

Ein letzte Gedanken, die mich auch total aufregt ist das ständig pauschal Prostitution mit Gewalt und Kriminalität verbunden wird.

Liebe Grüße, Fraences
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RE: Was haltet ihr vom "nordischen Modell"?

Beitrag von Melanie_NRW »

Das verlogene am schwedischen Modell ist, das immer wieder behauptet wird, es solle angeblich nicht gegen die Sexarbeiter sein.
Aber wie bitte soll es nicht GEGEN Sexarbeiter sein, wenn man unseren Kunden unter Androhung von finanziellen Verwarnungen bis hin zu Gefängnisstrafen androht, uns zu kontaktieren und aufzusuchen? Als hätten wir die Pest oder Cholera...

Dadurch hat dieses Sexkaufverbot das Stigma in den Ländern dramatisch erhöht.

Rechte und Schutz wird den Frauen nur gewährt, wenn sie sich zum Ausstieg bereit erklären.

Hier wurde ein recht guter Text aus dem englischen übersetzt.
(Auch so ein Punkt, in den Medien hierzulande tauchen solche Texte gar nicht auf... )

http://voice4sexworkers.com/2014/04/01/ ... in-mythos/

Und hier ein übersetzter Text, wie eine mittlerweile verstorbene schwedische Sexarbeiterin das Gesetz erlebt und empfunden hat:

http://voice4sexworkers.com/2014/03/16/ ... n-erzahlt/

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Arum
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Beitrag von Arum »

Eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen, die mit dem schwedischen Modell einhergehen:

http://sexworker.wordpress.com/2009/09/09/hello-world/


Ein Vergleich zwischen dem schwedischen und neuseeländischen (also, vollständige Dekriminalisierung) Modell, aus Sicht der AIDS-Bekämpfung:

http://www.bayswan.org/swed/Canada_law_ ... models.pdf

In its conception and as written, the
New Zealand Prostitution Reform
Act, 2003 is much more respectful
of the autonomy, dignity and human
rights of sex workers than the
Swedish Law on prohibition of the
purchase of sexual services. Given
that it only came into force in 2003,
so far little evidence of the effect
of the New Zealand legislation has
been gathered. In contrast, evidence
indicates that the Swedish law has
not eliminated prostitution and has
resulted in more dangerous working
conditions for women sex workers,
especially the most vulnerable
women. The New Zealand model
offers a better example of a reform
that respects, protects and fulfils
the human rights of sex workers
and holds more promise for better
protecting their health. It should be
considered seriously by countries
committed to improving the health
and safety of sex workers.



Die Lügen zum schwedischen Modell, so wie von einer schwedischen SW analysiert, mit u.A. erschütterden Bildern einer Polizeirazzia (stell Dir vor, Du bist nackt bei der Arbeit, und da stehen plötzlich diese Polizisten bei Dir im Zimmer):

http://sensuellqkonsult.wordpress.com/2 ... in-sweden/

In Norwegen kommen immer mehr Zweifel am übernommenen schwedischen Modell hoch:

http://www.thelocal.no/20120622/rip-up- ... politician



But the Pro Sentret report indicates that the law has in fact made prostitutes much more susceptible to violence at the hands of their clients as the sex trade moves further underground.

What’s more, prostitutes have become less inclined to seek help since the law came into force, with many now perceiving that they too are viewed as criminals, the report says.

Many of the women also said the new law had scared off many of their more reliable customers, while troublesome and violent clients were relatively undeterred.


Wie man sieht, das schwedische Modell fördert nun gerade sexuelle Gewalt.

Der wichtige Text von Dodillet und Östergren (2011):

http://maggiemcneill.files.wordpress.co ... se-act.pdf

Na ja, und und und...
Guten Abend, schöne Unbekannte!

Joachim Ringelnatz

xtabay
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Beitrag von xtabay »

Bitte sich eine Bäckerei vorzustellen, es sei erlaubt eine Bäckerei aufzumachen, dort Brot und Gebäck anzubieten, aber der Kauf ist den Kunden verboten.

Absurd. Und geschäftsschädigend.

Die Bäckerin (oder SW) muss den Kunden schützen, verstecken, decken... Muss eventuell ihre Sicherheit und Gesundheit riskieren, um einen Kunden vor der Polizei etc zu schützen.

So gehts aber echt nicht, wer könnte denn sowas befürworten???

Soundso345
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Beitrag von Soundso345 »

@Zwerg
Bitte sprich nicht von "ihr" und pauschalisiere von der Meinung einiger Mitglieder unserer Organisation auf die Meinung aller. Ich habe bereits gesagt, dass ich tendenziell eher gegen das nordische/schwedische Modell bin. Tendeziell deswegen, weil ich mir noch keine abschließende Meinung (egal in welche Richtung) erlauben will, solange ich noch nicht ausreichend mit Sexworkern gesprochen habe.
Ich habe mich ja u.a. deswegen registriert und hier nachgefragt, weil ich eben nicht "über die Köpfe hinweg" über Sexworker sprechen will, sondern mit ihnen.

Dass wir als Organisation gegen sexuelle Gewalt über das Thema Sexarbeit reden, macht finde ich schon Sinn, aus zwei Gründen: 1. Es gibt nun mal auch Zwangsprostitution. Auch wenn die sicherlich nicht alle oder auch nichtmal eine Mehrheit der Sexworker betrifft, ist es ein Problem mit dem man sich außereinander setzen muss. 2. Es gibt unter Sexworkern auch Betroffene von sexueller Gewalt. Es ist wichtig, dass man ihnen die gleiche Unterstützung teilhaben lässt wie jeder anderen Betroffenen auch. Generell ist es für Betroffene in unserer Gesellschaft noch schwer Gerechtigkeit, Unterstützung und Anerkennung zu erfahren, für Sexworker ist es aber nochmal schwerer, weil sie zusätzlich noch gegen diesen bescheurten Irrglauben "Prostituierte können gar nicht vergewaltigt werden" kämpfen müssen. Es ist wichtig, die Gesellschaft darüber aufzuklären, dass sexuelle Gewalt gegen Sexworker nicht einfach nur "Zechprellerei" ist, und gleichzeitig Betroffene zu unterstützen.

Im internen Forum kann ich keine Abstimmung starten, da ich keine Sexarbeiterin bin und somit keinen Zugang zum internen Forum habe.

Zu deinem letzten Satz: Ich vertrete weder eine Meinung noch ein Verbot, sondern bin hier um zu lernen und mir dann, sobald ich mehr über eure Sicht weiß, eine Meinung zu bilden. Wenn du meine Posts richtig durchliest, wirst du auch sehen, dass ich in keinster Weise für ein Verbot bin.


@Topic
Danke für die Rückmeldungen, werd mir sobald ich ein bisschen Luft hab, die geposteten Links angucken. Ich freue mich natürlich auch noch über weitere Meinungen und Kommentare.
Zuletzt geändert von Soundso345 am 31.07.2014, 17:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von fraences »

Ich hab die Stellungnahme noch nicht zu Ende durch gelesen, aber schon im ersten Absatz,das die Pfusch Studie" Does legalized Prostitution Increase Human Trafficking?“ Bezug drauf genommen wird, stehen mir die Haare zu Berge.

Hier entsprechende Gegegdarstellung von DonaCarmen e. V:

Nicht locker gelassen: ‚Kritische Justiz‘ veröffentlicht Zerriss von EU-Pfusch-Studie

http://www.donacarmen.de/?p=345

Teilerfolg für Doña Carmen im Konflikt mit ARD-Magazin ‚Panorama‘

http://www.donacarmen.de/?s=panorama


Pressemitteilung – ARD-Magazin Panorama einer Pfusch-Studie aufgesessen

http://www.donacarmen.de/?s=panorama
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Re: Was haltet ihr vom "nordischen Modell"?

Beitrag von Zwerg »

. Bild
Soundso345 hat geschrieben:Im internen Forum kann ich keine Abstimmung starten, da ich keine Sexarbeiterin bin und somit keinen Zugang zum internen Forum habe.
Damit wollte ich eigentlich unterstreichen, dass es sinnvoller wäre wenn derartige Abstimmungen SexarbeiterInnen abhalten.

Ich persönlich bin der Meinung, dass Jede(r) das Recht haben muss gegen oder für eine Sache einzutreten. Es ist jedoch höchst problematisch (und auch diskriminierend) wenn eine Gruppe sich aufschwingt über die Rechte einer anderen Gruppe Abstimmungen bzgl. Verbote abzuhalten.

Die Argumentation der Organisation der Du angehörst hier zu posten ist nicht notwendig - Wir kennen sie nur allzu gut, da wir uns seit etlichen Jahren mit dem Thema (als eigentliche ExpertInnen) auseinander setzen müssen. Die Antworten darauf sind hier im Forum vielfach zu finden. Viel interessanter und auch offener wäre es, wenn wir den Namen der Organisation der Du beigetreten bist bzw. den Link zu deren Webseite erfahren dürften.....

In Bezug auf Zwangsprostitution erlaube ich mir doch anzumerken, dass dies keine Form der Prostitution ist, sondern ein abscheuliches Verbrechen. Dies zu bekämpfen in dem man die Rechte der selbstbestimmten SexarbeiterInnen aberkennt ist völlig absurd.

In Bezug auf Gewalterfahrungen sollte das oben Gesagte gleichfalls gelten.

Weiters: Da sich bei mir im Laufe des Tages mehrere SexarbeiterInnen gemeldet haben, warum wir eine derartige Abstimmung hier im Forum der SexarbeiterInnen zulassen, entferne ich Diese (ich ersuche die UserInnen, die bereits abgestimmt haben, um Verständnis) - Die SexarbeiterInnen, die sich mir gegenüber artikuliert haben meinten einheitlich, dass sie die Fragestellung hier im Forum "Verbot ja oder nein" völlig unpassend und provokant empfinden.

Unsere Position ist festgelegt: Wir sind gegen jegliche Diskriminierung von SexarbeiterInnen und gegen jegliche Kriminalisierung ihrer Tätigkeit!

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Beitrag von Soundso345 »

Christian/Zwerg, irgendwie empfinde ich den Ton deiner Kommentare hier immer leicht angreifend. Darf ich denn als interessierte Außenstehende mich nicht mit den verschiedenen Positionen zu dem Thema außereinander setzen und versuchen alle Seiten zu verstehen und mich zu bilden und wenn dies irgendwann geschehen ist mir auch eine Meinung bilden? Wobei ja wie schon gesagt, mein Interesse hauptsächlich der Sichtweisen der Sexarbeiter selbst gilt.

Ich habe die Position der Organisation gepostet, weil es mich interessiert was Sexarbeiter zu der Position sagen und was sie genau daran kritisiert würden, damit ich auch fundierter innerhalb der Organisation diskutieren kann. Vielleicht werde ich die Position aber auch wieder löschen, weil ich nicht weiß ob die überhaupt so für eine öffentliche Außereinandersetzung genutzt werden soll.

Ich hab den Namen der Organisation hier nicht genannt, da ich ehrlich gesagt ein bisschen Paranoid was meine Anonymität und Sicherheit im Netz bin (hab da schon eine schlechte Erfahrung gemacht). Ich will lieber erstmal hier keine konkrete Verbindung zu meiner realen Identität her stellen. Das hat nichts mit dem Forum hier an sich zu tun, sondern einfach damit, dass ich euch ja alle noch nicht wirklich kenne (und die anonymen Mitlesenden noch weniger) und ich generell einfach vorsichtig bin überall im Internet.


-----


EDIT: So hab die Position der Organisation aus verschiedenen Gründen jetzt erstmal wieder rausgenommen.
Kann gern das ein oder andere Argument daraus nochmal hier aufschreiben, aber nicht sofort sondern später. Grad im Moment weiß ich nicht so recht wo ich anfangen soll mit dem Thema, weil ich gerade von "beiden Seiten" mit Links und Meinungen "bombardiert" werde (versteht mich nicht falsch, ich will ja Infos und Meinungen, deswegen bin ich auch dankbar für die Links und das alles. Nur grad ist es in der Masse so viel an Infos und Links, dass ich mich bisschen überfordert fühle und wie gesagt nicht so recht weiß wo ich anfangen soll).
Zuletzt geändert von Soundso345 am 31.07.2014, 17:55, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Zwerg »

Es liegt nicht in meiner Absicht, Jemand anzugreifen - nur liegt mir sehr viel daran, dass wir unsere Position (die sich über Jahre hinweg gebildet und gefestigt hat - da wir mit dem Thema zu tun haben und auch Einblicke haben, die uns zur Meinungsbildung befähigen) unterstreichen.

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Beitrag von Sinamore »

@soundso345

Ich schliesse mich meinen Vorredner/innen an.

Ich empfinde eine solche Umfrage in einem Forum für Sexarbeiter/innen ebenfalls als unpassend. Es ist doch eigentlich offensichtlich, was Sexarbeiter/innen von einer Massnahme halten, die Ihnen die Existenzgrundlage entziehen soll.

Ein Grund wieso unsere Antworten etwas hart rüberkommen ist, dass wir von Unbeteiligten (und manchmal auch Kunden) immer und immer wieder mit denselben, schon lange widerlegten Vorurteilen konfrontiert werden. Es gibt unzählige Stellungnahmen von Sexarbeiter/innen und Sexworker-organisationen, seriösen Beratungsstellen, Wissenschaftlern und auch Anti-Menschenhandels-Organisationen, welche über die Schädlichkeit der Kundenbestrafung aufklären und die Position von Sexarbeitern klar kommunizieren (auch im öffentlichen Teil dieses Forums). Da kann es relativ zermürbend sein, mit so einer Frage quasi wieder auf 0 zurückgeworfen zu werden.

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RE: Was haltet ihr vom "nordischen Modell"?

Beitrag von RitaD »

Finde eine solche Diskussion, mehr, als nur absurd.

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Beitrag von Doris67 »

Soundso345: Auch hier wieder: Bitte erst infomieren (hier im Forum und auch anderswo, Quellen hat man dir ja genannt), dann posten. Und auch verstehen, daß wir Sexarbeiter/-innen nicht die geringste Lust haben, zum zigtausendstenmal dieselben Debatten durchzukauen: Wir sind hier, um in unseren Kämpfen voranzukommen, nicht um stillzustehen.
Zuletzt geändert von Doris67 am 01.08.2014, 00:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Arum »

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Soundso345 hat geschrieben:Tendeziell deswegen, weil ich mir noch keine abschließende Meinung (egal in welche Richtung) erlauben will, solange ich noch nicht ausreichend mit Sexworkern gesprochen habe.
Wenn du meine Posts richtig durchliest, wirst du auch sehen, dass ich in keinster Weise für ein Verbot bin.
Beides scheint sich doch zu widersprechen...

Wie dem auch sei: Stell Dir mal vor, es gäbe das politische Vorhaben, aus irgendeinem Grund Anlaufstellen gegen sexuelle Gewalt gesetzlich zu gestatten, deren Inanspruchnahme dahingegen zu bestrafen. Wie hoch schätzt Du Chance ein, eine Nachfrage wie jetzt Deine hier würde bei solchen Anlaufstellen mit zustimmender Bewertung dieses Gesetzesvorhaben rechnen können?

Oder auch: Wie kann es doch sein, dass Organisationen ausserhalb des Gewerbes auch nur meinen können, es gebe womöglich irgendwo so etwas wie SW, die sich gerne die Kunden verbieten lassen? Wie kann es sein, dass urplötzlich SW anders reagieren sollen denn Vertreter jedes anderen, ja sogar des eigenen Berufzweigs? Weil SW eh zu blöd seien, einigermassen geradeaus denken zu können, oder was steckt denn genau hinter einer solchen Annahme? Oder, wie sähe denn Deiner Meinung nach die Begründung einer möglichen Bejahung des schwedischen Modells von Seiten deutscher SW aus? Nur Zwangsprostituierte könnten sich dabei, so scheint mir, vielleicht etwas vorstellen, aber solche Frauen dürften hier, und ich drücke mich mal ganz vorsichtig aus, im Forum wohl nicht vertreten sein. Diejenigen, die hier aktiv sind, glauben an ihrem Beruf, und solche Leute, in welchem Zweig auch immer, haben es meist nicht gern, dass man ihnen die Kunden nehmen möchte. Zu glauben, SW könnten da irgendwie anders ticken, ist ein, auch wenn Dir das wohl nicht bewusst ist, typisches Beispiel der allgemeinen Hurenstigmatisierung, so wie sie sich besonders seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hat...
Guten Abend, schöne Unbekannte!

Joachim Ringelnatz

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RE: Was haltet ihr vom "nordischen Modell"?

Beitrag von Melanie_NRW »

Auch wenn ich jetzt ein bissl anecken mag aber ich möchte mal etwas zu bedenken geben:

- die wenigsten sind so intensiv im Thema drin wie wir hier...
- daraus ergibt sich, das außenstehende mit der flut an informationen überfordert sind
- wie schon öfter mal angemerkt, ist das forum ein wenig unübersichtlich um gezielt an informationen zu kommen

klar nerven uns solche fragen, aber ich bin froh um jeden der fragt und unsere meinung hören möchte.. um sich dann seine eigene bilden zu können. egal wie genervt man manchmal ist und egal wieviele trolle wir hier schon über uns ergehen haben lassen müssen...

es ist eher erschreckend zu sehen, wie stark die medien schon wirken und menschen ernsthaft in erwägung ziehen, wir könnten eine freierbestrafung gut heißen oder uns gar erhoffen.
das ist aber weniger schuld des einzelnen sondern des systems der medien und der rettungsindustrie. die leute glauben ja wirklich sie erfahren die wahrheit über uns wenn sie zeitung lesen oder nachrichten schauen.

Soundso345
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Beitrag von Soundso345 »

Verstehe echt die agressive Grundhaltung hier nicht. Ich bin hier, weil ich eure Meinung hören will, aber anscheinend sind euch Leute lieber, die über euch statt mit euch reden?

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Beitrag von fraences »

Was mich sehr verwundet ist, an all den verschiednen posting hier von unterschiedlichen Forenuser auf deine Frage hast du kein Wort zu geäußert.
Interessiert dich wirklich unsere Auffassung???

Ein Austausch stelle ich mich anders vor.
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Beitrag von Soundso345 »

Ich hab mich nicht geäußert, weil ich erstmal eure Meinung hören und lesen wollte. Mir gings nicht darum gegen irgendwas gegen zu diskutieren, sondern die Sichtweisen und Meinungen von Sexworkern zu erfahren.

(abgesehen davon, selbst wenn ich hätte "mitdiskutieren" wollen (will ich nicht, hab nicht genug Hintergrundwissen und Erfahrung um irgendeine Meinung zu vertreten), hätte mich wahrscheinlich der angreifende Ton von einigen hier, davon abgehalten)