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 Zwerg Zwerg setzt sich aktiv für die Rechte von SexarbeiterInnen ein
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BeitragVerfasst: 2014-07-21, 21:37  Beitrag #41/47     Titel:  (Kein Titel)  Nach untenNach oben

Sexgewerbe:

Aus für Steuervorteile
Seit 1. Juli 2014 sollen Einkünfte aus Sexdienstleistungen genauso versteuert werden wie anderer Broterwerb auch. Die Rotlichtbranche stellt nun vermehrt auf Laufhäuser um, da die Steuerlast so auf die Prostituierten fällt.

Die Unterbringung von 15 jungen Rumäninnen im Kellergeschoß eines Salzburger Bordells hat mit der innig verabscheuten Steueranpassung zu tun, die das Rotlichtgewerbe gerade erlebt.
Polizei und Magistrat fanden die Prostituierten in winzigen Zimmern eines Trockenbauverschlags in der Tiefgarage des Etablissements an der Sterneckstraße, ohne Tageslicht, teilweise mit offenen Stromleitungen und Betten, die sie sich zu mehreren teilen mussten. Die Kellerunterkünfte wurden vom Bauamt gesperrt, die Betreiber angezeigt.

120 Euro Tagesmiete

Bei den Einvernahmen sagten die Verantwortlichen, dass man den Nachtclub Vesuv „wegen der neuen Besteuerung auf Laufhausbetrieb umstellt“, so Polizeisprecher Michael Rausch zum SF. Die Frauen im Keller hätten alle ein Zimmer im (oberirdischen) Laufhaus und bezahlten dafür 70 bis 120 Euro Tagesmiete. Die Einnahmen seien nicht schlecht und würden die Monatsmiete von 3.000 Euro „um ein Vielfaches“ übertreffen, so Rausch. Hinweise auf strafrechtliche Delikte habe man nicht: „Die Frauen waren legal da und hielten sich freiwillig in den Kellerräumen auf.“
Laut dem neuen Steuererlass des Fiskus gelten Frauen, die in einem Laufhaus arbeiten, tendenziell als Selbstständige, während Prostituierte mit zeitlicher und räumlicher Einbindung in ein Bordell als Unselbstständige betrachtet werden.
Nur 300 Euro Steuern

Fakt ist, dass die Rotlichtbranche jahrelang Bagatellsteuern in Höhe von monatlich pauschal nur 300 bis 500 Euro pro Frau abführte. Dies wurde mit 1. Juli an gewöhnliche österreichische Lohn- und Einkommenssteuerverhältnisse angeglichen, da mehrere oberstgerichtliche Urteile den Gleichheitsgrundsatz einmahnten. Der Aufschrei ist groß.
Pikanterweise haben einzelne Sexdienstleister dies indirekt selbst herbeigeführt, weil sie Steuerstreitigkeiten mit dem Finanzamt bis in die letzte Instanz hochlizitierten. Das Steuerprivileg (offiziell „Abzugssteuermodell“ genannt) beruhte übrigens auf der umtriebigen Lobbyarbeit, die ein Salzburger Rotlichtmann in den 90er-Jahren auf höchster Sektionschefebene des Finanzministeriums betrieb. Die Nobelbordellkette hatte damals Razzien und Finanzstrafverfahren mit hohen Nachzahlungen zu gewärtigen.
Milieu wird vulgärer

Nun hat derselbe Klubmanager auf der Plattform sexworker.at eine Protestpetition eingestellt, die bereits 1.000 Sexdienstleister unterschrieben haben
. Medien gegenüber sagte Richard S., er müsse nun 160 Frauen, die bislang selbstständig in seinen Häusern in Wien, Klagenfurt und am Salzburger Walserberg gearbeitet hätten, anstellen. Dann könnten die Bordelle zusperren. Denn „Frauen, die 3.000 Euro verdienen und denen abzüglich der Lohnsteuer nur mehr 1.500 Euro übrig bleiben, werden sofort die Koffer packen“, ist der Bordellmanager überzeugt.
Die bundesweiten Vereine in Sachen Prostitutionssozialarbeit schlißen sich der Kritik des Milieus an. Man treibe die Frauen damit von den wenigen legalen Arbeitsplätzen in die Illegalität, heißt es beim Salzburger Verein „Frau und Arbeit“. Laut Magistrat sind die 240 genehmigten Plätze in den 13 Salzburger Bordellen jedoch „nie voll besetzt“, meist seien 160 Damen da, vieles spiele sich im Internet ab.
Heinz W., der frühere Betreiber des Vesuv (noch unter dem Namen Carmen), hat nach einem Südseeurlaub von der „Kellergeschichte“ erfahren. In seiner Zeit hätte es so etwas nie gegeben. W. beklagt die Vulgarisierung des Geschäfts – den Schwangeren-Straßenstrich der Roma, die Saunaklubs, wo „die Frauen nackt dort sitzen müssen“, die billigen Inserate: „Ich bin die Susi, ich zahle dir das Taxi“, die Flat­rate-Puffs und „Gangbangs“. Heinz W.: „Das ist so tief und deprimierend, da bin ich nicht mehr dabei.“

http://www.salzburger-fenster.at/re....r_steuervorteile_art6883/
-------

Als Senioradmin des Sexworker Forums lege ich wert auf die Feststellung, dass die im Artikel gemachte Behauptung "Nun hat derselbe Klubmanager auf der Plattform sexworker.at eine Protestpetition eingestellt, die bereits 1.000 Sexdienstleister unterschrieben haben." unwahr ist!

Herr Richard S. hat keinerlei Protestpetition auf sexworker.at eingestellt - er wäre dazu weder berechtigt, noch dazu in der Lage, da er bei uns keinen Account besitzt und wir ihn auch nicht als User auf der Plattform der SexarbeiterInnen wünschen bzw. dulden würden! Wir können nicht abschätzen, ob die unwahre Information auf schlechte Recherche oder auf bewusste Irreführung zurückzuführen ist - jedoch erscheint es auf alle Fälle verwunderlich, dass derartige Aussagen ungeprüft veröffentlicht werden.

Wir distanzieren uns ausdrücklich von den Aktivitäten des Herrn S. Richard, da sie mit unseren Grundsätzen nicht vereinbar sind!

christian knappik
senioradmin sexworker.at


Den oben stehenden Kommentar habe ich im Salzburger Fenster gepostet - naturgemäß wird er nicht veröffentlicht werden. Die Geschichte ist aber damit für uns nicht vom Tisch!


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Verfasst: 2014-07-21, 21:37  Beitrag #     Titel:  Nach untenNach oben

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BeitragVerfasst: 2014-07-22, 13:23  Beitrag #42/47     Titel:  RE: Österreichisches FA zwingt BetreiberInnen in Illegalität  Nach untenNach oben

Funpalast-Betreiber: “Prostituierte in Wien waren immer selbstständig”

von Sarah van den Berg - Ab dem 1. Juli sollen die Einnahmen von Prostituierten anders versteuert werden, viele Etablissements müssten eigentlich selbstständig arbeitende Frauen fest anstellen. “Ich hätte keine Mädchen mehr, wenn ich sie anstellen müsste. Dann könnte ich zusperren”, berichtet Funpalast-Betreiber Christoph Lielacher im Interview mit VIENNA.at.

Ein neuer Erlass zur “ertragssteuerlichen Beurteilung von Sexdienstleistungen” wirft grundsätzliche Fragen zum Thema Prostitution auf: Bislang erfolgte die “ertragsteuerliche Beurteilung von Sexdienstleistungen” in Österreich nicht einheitlich. In einigen Bundesländern wurden pauschale Abgaben eingehoben – das ist nun nicht mehr möglich. Besteuert werden ab dem 1. Juli die “im jeweiligen Fall vorliegenden tatsächlichen Verhältnisse”, heißt es in dem Erlass des Finanzamts.

Was hat sich seit dem 1. Juli 2014 in der Praxis geändert? “Bis jetzt noch nichts”, meint Christoph Lielacher, Betreiber des Saunaclubs “Funpalast” in Wien-Liesing. Er sehe auch “keinen Handlungsbedarf”: “Es ist ja nicht mein Problem, sondern das Problem des Finanzamts.” Außerdem betreffe der Erlass seiner Meinung nach eher Bordelle als Saunaclubs. Dort sind die Frauen weisungsgebunden und die Arbeit erfolgt zu festgelegten Zeiten. Das ist im Saunaclub anders. Innerhalb der Öffnungszeiten können die Frauen kommen und gehen wie sie wollen, sie können Kunden auch ablehnen und legen ihre Preise selbst fest.

Große Schwierigkeit (für das Finanzamt) : “Niemand weiß, was die Mädchen am Zimmer verdienen”, berichtet der Saunaclub-Betreiber. Es gebe, so Lielacher, zwar Absprachen untereinander, aber welcher Preis hinter verschlossenen Türen tatsächlich für gewisse “Extras” verrechnet wird, wisse er nicht und wolle er auch nicht wissen. Für eine halbe Stunde am Zimmer werden 60 Euro verlangt, Preise für zusätzliche Leistungen werden individuell festgelegt. Selbstverständlich komme es da zu Konfliktsituationen, wenn eine Prostituierte viel mehr verdiene als andere. Aber da mische er sich nicht ein, so Lielacher. “Es gibt nur eine einzige Situation, wo wir uns beim Geld einmischen: Wenn ein Gast nicht zahlen will.” Anders sieht es in Sachen Sicherheit aus, da hat man ein wachsames Auge auf alle Gäste, in sämtlichen Zimmern befinden sich Notrufknöpfe.

Preis-Dumping hingegen sei kein Problem: “Preis-Dumping passiert auf der Straße, in der Hausprostitution, im Escort. Genau in den Bereichen, die auch weiterhin als selbstständige Tätigkeiten ausgeübt werden können.”
Prostituierte wurden nicht informiert

Was Lielacher am meisten an der neuen Regelung ärgert: Niemand hat die Betroffenen, also die Prostituierten, über die Änderungen informiert. Frauen, die regelmäßiger im Funpalast arbeiten, haben sich bereits an ihn gewandt und angedeutet, dass sie für ihr Recht auf Selbstständigkeit demonstrieren wollen. Er befürwortet das, betont aber auch, dass er nicht generell gegen eine Versteuerung des Einkommens ist, sondern nur den aktuellen Erlass nicht für die optimale Lösung hält. Unter anderem auch, weil Prostituierte seiner Meinung nach “Zugvögel” seien. “Die Mädchen gehen dahin, wo es das meiste Geld gibt und sie die wenigsten Schwierigkeiten haben.” Einige arbeiten drei Tage in Wien, sind dann eine Woche in der Slowakei, bevor sie zwei Tage in Salzburg arbeiten und dann drei Monate in Deutschland sind. Müssten sie an jedem der Dienstorte an- und abgemeldet werden, wäre das kaum administrierbar – auch für die Krankenkassen nicht. Außerdem: “Kein Mädchen möchte weisungsgebunden arbeiten.” Müsste er die Frauen, die ihre Dienstleistungen in seinem Club anbieten, anstellen, so könnte er zusperren, fürchtet er.

Man dürfe die Prostituierten auch nicht unterschätzen: “Sie sind intelligent und können wie alle anderen Selbstständigen auch ihre Steuererklärung machen.” Nur, das gibt er zu, ist die Berechnungsgrundlage schwierig, da für die Dienstleistungen ja keine Rechnungen geschrieben werden. “Berechnungsgrundlage wäre also das, was angegeben wird”, meint Lielacher und hält das für eine bessere Variante als eine Pauschale. Laut Erlass soll die Lohnsteuer anhand der dem Arbeitgeber bekannten Einnahmen berechnet werden. Und wenn diese nicht bekannt seien, sollen sie “geschätzt” werden.

Schwarzarbeit oder Zuhälterei?

“In Wien war immer klar, dass Prostituierte selbstständig sind – bis dieser Erlass gekommen ist”. Ein Erlass, der letztendlich mehr als nur die Versteuerung der Einnahmen der Prostituierten neu regelt, sondern auch – vielleicht ungewollt – herrschende Geschäftsmodelle in Frage stellt. Nicht nur die Prostituierten, sondern auch die Betreiber gewisser Etablissements werden in die Illegalität getrieben: Sie können wählen, ob sie Schwarzarbeiterinnen beschäftigen oder sich der Zuhälterei schuldig machen wollen.

“Jemand, der Prostituierte in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt, macht sich der Zuhälterei (§216 Strafgesetzbuch) strafbar. Ich spiele sicher nicht für die Finanz den Zuhälter”, meint Lielacher, der glaubt, dass man den Erlass “still durchbringen” und “dann einen Betreiber nach dem anderen” bestrafen wollte. Auf der Funpalast-Homepage wird betont, dass bei ihm nur Selbstständige tätig sind. Dort heißt es “Die weiblichen Gäste sind ebenso selbstständige Unternehmer wie die jeweils tätigen Masseure und bieten ihre Leistungen völlig eigenständig und auf eigene Rechnung an.” “Prostituierte können nur selbstständig sein. Sie waren immer selbstständig und müssen auch immer selbstständig sein.” Gerade in Wien.

http://www.vienna.at/funpalast-betr....er-selbststaendig/4028077

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Das man in einem Bordell automatisch weisungsgebunden wäre, stelle ich zwar in Abrede, aber mit einigen Teilen des Artikels kann ich ganz gut leben....

Ich finde es auf alle Fälle nicht schlecht, wenn eine BetreiberIn auch mal feststellt, dass SexarbeiterInnen nicht unmündig sind!


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BeitragVerfasst: 2014-08-08, 13:43  Beitrag #43/47     Titel:  RE: Österreichisches FA zwingt BetreiberInnen in Illegalität  Nach untenNach oben

Mittlerweile gibt es mehrere Anrufe aus den Bundesländern bezüglich der Plan- Rat- und auch Informationslosigkeit in den Finanzämtern.

In Salzburg zum Beispiel wurden 2 SexarbeiterInnen eine Steuernummer verwehrt - mit dem Hinweis, dass man Sexarbeit in Österreich nur als "angestellt - also unselbstständig" ausüben dürfe....

Irgendwie wirft sich da schön langsam (?!) die Frage nach politischer Verantwortung für dieses desaströse Verhalten der VertreterInnen des Staates auf!

christian knappik


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BeitragVerfasst: 2014-08-11, 02:21  Beitrag #44/47     Titel:  RE: Österreichisches FA zwingt BetreiberInnen in Illegalität  Nach untenNach oben

Sexarbeit: Lohnsteuer ja, Arbeitsrechte nein
Julia Herrnböck

Eine Handvoll Prostituierte in Wien-Floridsdorf treibt einige Anrainer und eine rechte Kleinpartei zur Weißglut. Während der Ruf nach einer Bürgerwacht laut wird, verhallt der Protest von Betreibern und Sexarbeiterinnen gegen einen neuen Steuererlass


Wien - Keine Latexstiefel, keine Strapse, kein auffälliges Gestikulieren. Nichts an den vier Frauen deutet darauf hin, dass sie gerade anschaffen, also nach Freiern Ausschau halten. In Ballerinas und Jeans stehen sie am Abend gegen 21 Uhr an der Einzingergasse in Wien-Floridsdorf. Ein jede lächelt müde ins Auto, es regnet in Strömen.

Nach dem kürzlich erfolgten Verbot vom Straßenstrich im Prater und Auhof sind die verbleibenden Prostituierten Ende Juli hierher gewandert. Lang werden sie sich wohl nicht bleiben: Es gibt im Gewerbegebiet weder Infrastruktur noch Hotels, dafür reflexartigen Ärger mit einer FPÖ-nahen Kleinpartei namens "Wir für Floridsdorf" (WIFF).

Auf ihrer Facebook-Seite wettert sie gegen "Neo-Österreicher" und den "ausufernden Straßenstrich in Strebersdorf". Von "Müttern, die sich nicht mehr auf die Straße trauen", ist die Rede und von Minderjährigen, die anschaffen gehen würden. Auf Fotos sind auf einem Waldweg liegende Kondome zu sehen, die etwas drapiert wirken.

Die Kommentare darunter ("viele Floridsdorfer planen schon eine Attacke") und der Ruf nach einer Bürgerwacht, wecken Erinnerungen an die Proteste gegen den ehemaligen Straßenstrich in der Felberstraße 2010. Der Streit eskalierte, eine Prostituierte wurde von einer Anrainerin mit heißem Wasser übergossen, später organisierte die Bürgerinitiative einen Fackelzug und nannte sich selbst "Ku Klux Klan am Felberstrich".

Schon damals war die Bezirksvertretung der FPÖ maßgeblich an der Eskalation beteiligt. Dass es in Floridsdorf nicht so weit kommt, dafür setzt sich Helga Pregesbauer ein. Die Anrainerin hat der Bezirksvertretung (SPÖ und ÖVP) in einem offenen Brief geschrieben, wie beschämend sie den Umgang mit Prostituierten findet. "Die Argumente, man müsse die Berufsschüler vor ihrem Anblick schützen und den Menschenhandel bekämpfen, das ist doch vorgeschoben", erklärt sie ihr Engagement, "Prostituierte leben außerhalb der Demokratie."
Prostituierte anstellen?

Die Aufregung um den neuen Straßenstrich hat eine andere, weit größere Veränderung im Rotlichtgewerbe überlagert: Seit 1. Juli gilt nämlich ein umstrittener Erlass des Finanzministeriums, der Prostituierte in ganz Österreich mehrheitlich als Unselbstständige einstuft. Viele Bordellbetreiber müssten sie daher anmelden und Lohnsteuer abführen.

Gängige Praxis war bisher, dass Sexarbeiterinnen als neue Selbstständige gearbeitet haben und einen Pauschalbetrag für die Einkommenssteuer abführten. Das gibt es jetzt nicht mehr.

Es geht um viel Geld, das sowohl die Betreiber als auch die Sexarbeiterinnen mit dem neuen Erlass verlieren würden. Davon abgesehen ist Sexarbeit nur schwer auf Angestelltenbasis vorstellbar: Wer einer Prostituierten Anweisungen gibt, kann theoretisch wegen Zuhälterei nach § 216 angeklagt werden. Wie eine selbstständige Prostituierte den Einkommensnachweis bringen soll, ist auch fraglich.

Aus dem Finanzministerium heißt es dazu, das Weisungsrecht bei Angestellten würde nur die Anwesenheitszeit im Bordell betreffen, nicht aber die Arbeitsweise. Deswegen sei der Vorwurf der Zuhälterei nicht gegeben. Selbstständige Sexarbeiterinnen müssten eben Buch führen, "sowie jeder andere Selbstständige auch", sagt eine Sprecherin des Ministeriums.

Umsetzen will die neue Praxis kaum jemand. Christoph Lielacher, Betreiber des größten Saunaclubs in Österreich, sieht es gelassen. Er denke nicht daran, die Frauen anzumelden. "Sie zahlen mir 70 Euro Tageseintritt, der Mann 80 Euro - das versteuere ich. Was die Frauen am Zimmer verdienen, geht mit nichts an. Ich bin nicht der Zuhälter fürs Finanzamt", erklärt er. Zum Vergleich ein kleines Erotikstudio in Margareten, in dem fünfFrauen arbeiten. Auch dieser Betreiber meldet sie nicht an. "Sie müssten mehr Abgaben zahlen und haben nichts davon," sagt er.

Stimmt, denn trotz Lohnsteuer verbessert sich vorerst nichts für Frauen: Sie bekommen weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld. Und eine Arbeitsvermittlung über das AMS wäre wohl auch schwierig. Im Finanzministerium sei man nicht für arbeitsrechtliche Fragen zuständig, heißt es. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 9./10.8.2014)


http://diestandard.at/2000004161545....uer-ja-Arbeitsrechte-nein


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BeitragVerfasst: 2014-08-13, 13:19  Beitrag #45/47     Titel:  RE: Österreichisches FA zwingt BetreiberInnen in Illegalität  Nach untenNach oben

Prostituierte: Wer zahlt die Steuern?

Erlass des Finanzministeriums sorgt für Diskussionen. Gesprächsrunde im Landhaus.
- See more at: http://www.noen.at/nachrichten/noe/....9014#sthash.bNEJwYrk.dpuf

Da Landesrätin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger in ihrem Ressort auch für den Bereich "Prostitution" zuständig ist, kam es vor wenigen Tagen in ihrem Büro zu einem illustren Treffen.

Dort diskutierten Vertreter vom Arbeitsmarktservice, der NÖ Gebietskrankenkasse, ein Steuerberater sowie der Anwalt des "Babylon" und von Bordellbetreibern aus Krems, wie steuerlich mit den Prostituierten umgegangen werden soll. Der Anlass: Nach einem Erlass aus dem Finanzministerium herrscht große Rechtsunsicherheit. Die Finanz will Prostituierte – offiziell als Sexdienstleister geführt – auch als Unselbstständige zulassen. AMS und Gebietskrankenkasse sehen da viele Probleme und große Rechtsunsicherheit.
AMS-Vermittlung im Bereich der Prostitution nicht möglich

So warf AMS-Chef Fakler ein, dass eine Vermittlung im Bereich der Prostitution für das AMS nicht möglich sei. Seitens der Gebietskrankenkasse wurde auf den Tisch gelegt, dass von den zirka 600 offiziell in NÖ tätigen Prostituierten derzeit nur 49 als unselbstständig gemeldet sind. Der Steuerberater sieht das Problem, dass es für Sexdienstleister ja keinen Kollektivvertrag gebe.

Schließlich einigte man sich darauf, dass mit der Finanzpolizei gemeinsam weitere Diskussionen geführt werden sollen, die Rechtsunsicherheit bleibt also vorläufig.

http://www.noen.at/nachrichten/noe/....e-Steuern;art79519,559014

Wirklich eine illustre Runde.... die richtigen Fachleute tuscheln sich da zusammen..... der einzige kleine Fehler der sich da eingeschlichen hat: Prostituierte - UM DEREN STEUERLEISTUNG GEHT ES LETZTENDLICH - waren nicht dabei....

Es ist nahezu unerträglich wer sich da zu welchen Themen über die Köpfe der SexarbeiterInnen hinweg erdreistet "Vorgehensweisen zu besprechen" - Gerade im Hinblick darauf, dass die Finanzbehörde über Jahre hinweg ohne rechtliche Deckung (also ungesetzlich) Beträge von/durch BetreiberInnen einheben ließ (die nicht einmal den einzelnen SexarbeiterInnen im nachhinein zuordenbar sind und teilweise ohne Beleg kassiert wurden) und wer dies vereinbart hat, wäre da doch ein umdenken von Seiten der Verantwortlichen wünschenswert - oder besser gesagt "zu verlangen"!

Nach wie vor hat Niemand den Mut nach der politischen Verantwortung zu fragen... Ich denke, dass uns der Weg zur Volksanwaltschaft nicht erspart bleiben wird.

christian knappik


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BeitragVerfasst: 2014-08-17, 13:36  Beitrag #46/47     Titel:  RE: Österreichisches FA zwingt BetreiberInnen in Illegalität  Nach untenNach oben

Steuern für Sexarbeit: Kritik an Doppelmoral

Innsbruck - Vermehrte steuerliche Pflichten, aber keine Rechte, wie sie anderen Arbeitnehmern in Österreich zustehen: Beratungseinrichtungen für Sexarbeiter kritisieren die Doppelmoral des Staates, der bei den Einnahmen der Prostituierten seit Juli kräftiger zulange, hinsichtlich rechtlicher Diskriminierung und prekärer Arbeitsverhältnisse aber weiterhin die Augen verschließe. Die Neuregelung könnte außerdem zu einer Abwanderung in die Illegalität führen.

Daniela Kinz, Sprecherin des Finanzministeriums, bezieht sich auf ein höchstgerichtliches Urteil, wonach Pauschalabgaben nicht mehr gesetzeskonform seien. „Diese Branche hat wie jede andere ihre Abgaben abzuführen.“ Was die Arbeitsrechte oder den Schutz der Sexdienstleister anbelangt, erklärt sie sich für nicht zuständig und gibt den Ball weiter: „Da werden zwei Materien vermischt. Hier geht es um Steuerrecht, das Thema Arbeitsrecht betrifft das Sozialministerium.“ Das von Beratungseinrichtungen wiederholt eingeforderte Informationsblatt für Betroffene soll laut Kinz über den Sommer ausgearbeitet werden.

Isabella Hafele (Innsbrucker Beratung und Unterstützung für Sexarbeiterinnen iBUS) stellt die „völlig überzogenen“ Erwartungen des Finanzministeriums, was die Höhe der Einnahmen der Sexarbeiter betrifft, in Frage: „Die meisten sind keine Spitzenverdiener. Die Preise auf der Straße gehen runter bis auf 20, 30 Euro.“ Auch Christine Nagl (Projekt PiA) setzt sich für die Frauen ein. „Ihre Situation wurde bei dem Erlass nicht berücksichtigt. Es wurden nicht die richtigen Leute gehört.“ Jede Form von Erlässen gehe zu Lasten der Frauen, sie müssten dafür bezahlen. Kritik an den Bordellbetreibern kommt von iBUS: „Sie spielen sich auf, als würden sie im Interesse der Frauen handeln, aber das stimmt nicht.“ Bei der früheren Abwicklung – von den Betreibern mit dem Finanzministerium ausgehandelt – hätten zumindest einige die von den Frauen abgegebenen Gelder nicht abgeführt, sondern für sich einbehalten.

Der Verein Sexworker-Forum kritisierte die bisherige „undurchsichtige und ungesetzliche Handlungsweise“ schon seit Langem, sagt Vorstandsmitglied Christian Knappik. Er kann sich aber auch nicht vorstellen, dass die neue Regelung hält: „Da wurde etwa zusammengepfuscht.“ Um sich nicht zu outen, könnten sich die Betroffenen nicht einmal wehren. (ms)

http://www.tt.com/panorama/gesellsc....kritik-an-doppelmoral.csp


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BeitragVerfasst: 2014-09-25, 09:17  Beitrag #47/47     Titel:  RE: Österreichisches FA zwingt BetreiberInnen in Illegalität  Nach untenNach oben

mag zwar so sein, nur steht dem das Strafrecht gegenüber: Wer eine SexarbeiterIn anstellt - der hätte dann eine weisungsgebundene SexarbeiterIn in seinem/ihren Betrieb und könnte dann gleich die Staatsanwaltschaft informieren, dass er/sie als Zuhälter unterwegs ist (die Einschränkung der Weisungsgebundenheit, wie wir sie in D im Prostitutionsgesetz verankert kennen, gibt es in AT nicht). Mit anderen Worten: Es ist UNMÖGLICH eine SexarbeiterIn anzustellen 018.gif




_________________________
watson


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